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Fortsetzung: Archäologie, (griech.), im allgemeinen s. v. w. Altertumskunde; im engern Sinne nach modernem Sprachgebrauch
Altertümer für die mannigfachen Bedürfnisse des Lebens zu untersuchen und zu lehren, überläßt die Archäologie der Altertumskunde, diese Kenntnis zu verwerten, der Geschichte. In diesem Sinn hat zuerst O. Jahn 1848 die Archäologie richtig definiert als »die wissenschaftliche Bearbeitung der durch Masse, Form und Farbe wirkenden Denkmäler der Völker des klassischen Altertums nach der ihnen eigentümlichen Ausdrucksweise und die darauf wesentlich gegründete Erkenntnis der Entwickelung und des Bestands der bildenden Kunst im Altertum als eines Gliedes in dem gesamten Kulturleben desselben, oder kurz gefaßt, die wissenschaftliche Beschäftigung mit der bildenden Kunst des Altertums«.
Das Wort Archäologie wurde schon von den Griechen häufig gebraucht, vorzugsweise aber auf die Erforschung und Darstellung von vergangenen, für die Gegenwart nicht mehr wirksamen Dingen, namentlich der ältesten Geschichte, Staatsform und Sitte, angewandt. Mit dem Aufblühen der klassischen Studien im 15. Jahrh. bürgerte sich der Ausdruck Antiquaria für die Archäologie ein, und noch Lessing handelte in seinen »Antiquarischen Briefen« durchaus von der antiken Kunst. Studium der Antike nannte Heyne die Archäologie, deren jetziger Name sich erst seit Beginn dieses Jahrhunderts allgemeine Geltung verschafft hat.
Die Anfänge der archäologischen
Studien fallen nach
Italien
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in die Zeit des beginnenden 15. Jahrh. und wurden von demselben
Geiste der
Renaissance, der auf die Wiederbelebung des klassischen, speziell des römischen,
Altertums gerichtet
war, hervorgebracht und in ihrer ersten
Entwickelung bestimmt. Mit lebhaftem
Enthusiasmus ergriff man zu jener Zeit die
Welt
antiker
Schönheit, welche in ungezählten
Mengen von Kunstwerken dem
Boden entstieg. Man sammelte, zeichnete und studierte
mit
Hilfe der alten
Autoren, namentlich des Vitruv, die alten
Skulpturen; die
Hallen,
Höfe und
Treppen
[* 3] der
Paläste schmückten sich mit antiken
Statuen und
Büsten; in
Florenz
[* 4] ein Lorenzo de'
Medici, in
Rom
[* 5] die
Päpste selbst, wie
Nikolaus
V.,
Pius II., später
Julius II. und
Leo X., machten sich zum
Mittelpunkt dieser Bestrebungen und gaben in
dem vatikanischen
Belvedere den gesammelten
Schätzen einen glänzenden
Raum.
Kritik war vorläufig diesem begeisterten Treiben fremd. Die Frage nach dem Echten, dem Ursprünglichen fiel dieser Generation noch zusammen mit der Frage nach dem Schönen, dem Verständlichen; man ergänzte die zum Teil verstümmelten Statuen, um sie zur Dekoration zu gebrauchen, und glaubte nur dem eignen Geist folgen zu dürfen, um das Kunstwerk in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen. Arbeiten der Gelehrten und Kunsttheoretiker schlossen sich an; Andrea Fulvio, dem zuerst eine Rekonstruktion des klassischen Altertums aus seinen Überresten als Ziel einer Archäologie vorschwebte, stand an ihrer Spitze.
Zur Herrschaft gelangte dieses litterarische Betreiben der Archäologie in der folgenden
Periode, dem 17. und der
ersten Hälfte des 18. Jahrh. In
Rom freilich war zu dieser Zeit die Sammellust noch im Steigen, und fremde
Fürsten, wie die
Königin
Christine von
Schweden
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(1668–89 in
Rom), und Kardinalnepoten, wie
Aldobrandini,
Borghese,
Ludovisi,
Barberini, schufen ihre
herrlichen Sammlungen. Der
Schwerpunkt
[* 7] der geistigen
Arbeit aber ging von
Rom auf andre
Länder über und ließ dort wegen der
Beschwerlichkeit der eignen
Anschauung mehr das gelehrte
Interesse und die litterarische
Arbeit in den
Vordergrund treten, wenn
auch einzelne
Männer durch unermüdlichen Sammelfleiß, unterstützt von reichen Geldmitteln und einer glücklichen
Verbindung von Kunstsinn und
Gelehrsamkeit, Außerordentliches
leisteten und
Vorläufer der großen dritten
Periode wurden.
Gori (1691–1757) begründete die etruskische Altertumskunde, Franziskus Junius ließ in Amsterdam [* 8] das erste umfassende Lehrgebäude der antiken Kunst erscheinen; vor allen erkannten die Franzosen Peiresc und Spon die Archäologie als selbständige Wissenschaft und förderten sie durch Reisen, Sammlungen und eifrigen Verkehr mit den gleichzeitigen Gelehrten. Zu einer Auffassung der Archäologie als einer Geschichte der antiken Kunst gelangte indes erst Joh. Joach. Winckelmann (s. d.), der, herangebildet durch die Ästhetik seiner Zeit und die griechischen Dichter, seit seinem ersten Aufenthalt in Italien (1755) das Wesen der alten Kunst voll und richtig erkannte und in seiner »Geschichte der Kunst des Altertums« der Welt darlegte, wie er auch in seinen »Monumenti antichi inediti« eine neue Erklärung der Kunstwerke wenigstens anbahnte. Er erkannte den Maßstab [* 9] der Eigentümlichkeit derselben in ihren Stilen und wies eine Aufeinanderfolge derselben nach; die Masse der römischen Orten entstammenden Antiken erwies er als Kopien und forschte nach den Originalen; den griechischen Mythus bezeichnete er als die der Poesie wie der bildenden Kunst gemeinsame Quelle. [* 10]
Durch glücklichen
Zufall fielen in seine Zeit gerade die ersten Aufdeckungen von
Herculaneum und
Pompeji.
[* 11] Die von
Winckelmann
eingeschlagenen
Bahnen wurden von
Visconti und
Zoega weiter verfolgt;
Heyne und seine
Schule brachten die
neue
Lehre
[* 12] vor das akademische
Publikum,
Böttiger und
Millin traten als Popularisierer auf. Für die weitere
Entwickelung der
Archäologie in diesem
Jahrhundert sind vor allem wichtig die reichen
Entdeckungen griechischer Originalskulpturen durch die
Engländer,
namentlich die Auffindung der Parthenongruppe durch
Lord
Elgin, die von Gottfr.
Hermann und Archäologie
Böckh in
verschiedener
Weise geförderte
Ausbildung der philologischen
Kritik und
Erklärung, die auch der Archäologie feste
Gesetze gab und von
F. G.
Welcker und O.
Jahn mit dem feinsten Verständnis geübt wurde, endlich die 1829 unter dem Protektorat
Preußens
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geschehene
Gründung des
Archäologischen
Instituts (s. S. 769) in
Rom.
Letzteres sowie in fast allen europäischen Ländern zahlreich gegründete archäologische Gesellschaften (in Berlin [* 14] 1841) bilden die belebenden Mittelpunkte für die Studien der heutigen Archäologen, welche meist auf das gemeinsame Ziel gerichtet sind, das allmähliche Werden, die Entfaltung, die Blüte, [* 15] das Vergehen einer so wunderbar klassischen Schöpfung, wie es die alte Kunst ist, immer tiefer zu erfassen.
Vgl. Brunn, Geschichte der griechischen Künstler (Stuttg. 1853–59, 2 Bde.), auf litterarischen Quellen beruhend; Overbeck, Geschichte der griechischen Plastik (3. Aufl., Leipz. 1880, 2 Bde.);
Derselbe, Griechische Kunstmythologie, nebst Atlas [* 16] der griechischen Kunstmythologie (das. 1871 ff.);
Welcker, Alte Denkmäler (Götting. 1849–64, 2 Bde.);
O. Jahn, Aus der Altertumswissenschaft (Bonn [* 17] 1868);
Bötticher, Tektonik der Hellenen (2. Aufl., Berl. 1869);
Semper, Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten (2. Aufl., Münch. 1878, 2 Bde.);
Stark, Systematik und Geschichte der Archäologie der Kunst (Leipz. 1880);
»Denkmäler des klassischen Altertums«, herausgegeben von Baumeister (lexikalisch, Münch. 1884 ff.).
Seit dem Beginn des 19. Jahrh. und unter dem Einfluß der Romantik im deutschen Geistesleben bildete sich auch eine christliche Archäologie aus. Fr. Schlegel war der erste, welcher die Idee einer christlichen Kunst gegenüber der antiken aussprach und bei praktischen ¶
Fortsetzung Archäologie:
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 1. Band: A - Atlantiden, Seite 768; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/01_0768?q=Urvogel