| 7 Artikel | Textanfang / Anzahl Wörter |
|---|---|
| Karisse | s. Carissa. / 3 |
| Karistien | (Caristia), bei den alten Römern das am 22. Febr. an das allgemeine Totenfest (s. Feralien / 35 |
| Karitativsystem | nach A. Wagner Bezeichnung für die Wirtschaftsorganisation, in welcher die Liebe eine Triebfeder / 67 |
| Karkajou | s. Vielfraß. / 3 |
| Karkasse | (franz.), ältere Brandkugel (s. d.), auch das Gerippe zu Leucht- und Brandkugeln (Leucht-, / 42 |
| Karkinitischer Meerbusen | (auch Totes Meer genannt), Golf an der Nordküste des Schwarzen Meers, im W. der Halbinsel / 18 |
| Karl | (althochd. Charal, Karl, "Mann", latinisiert Carolus, franz. u. engl. Charles, ital. / 29422 |
Seite 9.511
Fortsetzung: Karisches Meer, (Karischer Golf), Teil des Nördlichen Eismeers, zwischen Nowaja Semlja, der Insel Waigatsch
unüberwindlich. Von 1869 bis 1882 stehen elf günstigen Jahren nur zwei ungünstige gegenüber. Unter den die Vermeidung der bisherigen Mißerfolge und Zeitverluste betreffenden Vorschlägen ist derjenige, welcher die Errichtung von Depots an einer der südlichen Straßen bezweckt, ohne Zweifel der beste. S. Karte »Nordpolarländer«. [* 2]
s. Carissa. ^[= L. Gattung aus der Familie der Apocynaceen, Sträucher und Bäume mit gegenständigen, ...]
(Caristia), bei den alten Römern das am 22. Febr. an das allgemeine Totenfest (s. Feralien) sich anschließende Verwandtschafts- oder Versöhnungsfest, welches durch die ganze Stadt familienweise mit gegenseitigen Geschenken und fröhlichen Mahlzeiten gefeiert wurde.
nach A. Wagner Bezeichnung für die Wirtschaftsorganisation, in welcher die Liebe eine Triebfeder für wirtschaftliche Handlungen abgibt und unvergoltene Güterübertragungen bewirkt (private Armenpflege, Wohlthätigkeitsanstalten etc.).
Die Bezeichnung »System« ist übrigens zur Erklärung der einfachen Thatsache wenig geeignet, daß die Liebe als Beweggrund menschlicher Handlungen nicht allein auf die wirtschaftlichen Erscheinungen einen Einfluß ausübt, sondern auch vielfach eine wohlthätige ergänzende und ausgleichende Rolle zu spielen berufen ist.
s. Vielfraß. ^[= (Wolverene, Gulo Storr.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Raubtiere und der Familie der ...]
(franz.), ältere Brandkugel (s. d.), auch das Gerippe zu Leucht- und Brandkugeln (Leucht-, resp. Brandkugelkreuz), aus starken schmiedeeisernen Schienen mit Boden.
Ferner das Gerippe oder die Unterlage eines weiblichen Kopfputzes (Haube);
Karkassendraht, der hierzu dienende, mit ungezwirnter Seide [* 3] besponnene, sehr dünne Draht. [* 4]
* 5 Krim.
Meerbusen (auch Totes Meer genannt), Golf an der Nordküste des Schwarzen Meers, im W. der Halbinsel Krim. [* 5]
1) Karl Martell, der "Hammer"
2) Karl I., der Große, König der Franken und römischer Kaiser
3) Karl II., der Kahle, einziger Sohn Ludwigs I., des Frommen
4) Karl III., seit dem 12. Jahrh. der Dicke genannt
5) Karl IV., Sohn des Königs Johann von Böhmen
6) Karl V., deutscher Kaiser und (als K. I.) König von Spanien
7) Karl VI. Joseph Franz
8) Karl VII. Albrecht, ältester Sohn des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern
9) Karl Friedrich, Großherzog von Baden
10) Karl Theodor Maximilian August, Herzog von Bayern
11) K. Theodor, Herzog in Bayern
12) Karl Friedrich Albrecht, Markgraf von Brandenburg-Schwedt
13) Karl Wilhelm Ferdinand
14) Karl Friedrich August Wilhelm, Enkel des vorigen
15) Karl der Kühne (Charles le Téméraire), Herzog von Burgund
16) Karl I., s. v. w. Karl d. Gr. (s. 2).
17) Karl II., s. v. w. Karl der Kahle
18) Karl III., von spätern Chronisten mit Unrecht der Einfältige genannt
19) Karl IV., der Schöne
20) Karl V., der Weise, Sohn König Johanns
21) Karl VI., der Geliebte oder der Wahnsinnige, Sohn des vorigen
22) Karl VII., der Siegreiche, dritter Sohn und Nachfolger des vorigen
23) Karl VIII., ältester Sohn Ludwigs XI., Enkel des vorigen
24) Karl IX., zweiter Sohn Heinrichs II. und der Katharina von Medici
25) Karl X. Philipp, dritter Sohn des Dauphins Ludwig
26) Karl I., zweiter Sohn Jakobs I.
27) Karl II., ältester Sohn des vorigen, geb. 29. Mai 1630
28) Karl Eduard, der Prätendent genannt
29) Karl Anton Friedrich Meinrad Fidelis
30) Karl Anton, Fürst von Hohenzollern, Sohn des vorigen
31) Karl III. (II. als Herzog), der Große
32) Karl IV. (III.), Enkel des vorigen, geb. 1604
33) Karl V. (IV.) Leopold
34) Karl Alexander, Prinz von Lothringen und Bar
35) Karl Friedrich August, Herzog von Mecklenburg-Strelitz
36) Karl I. von Anjou, fünfter Sohn König Ludwigs VIII. von Frankreich und Blankas von Kastilien
37) Karl II., der Hinker, Sohn des vorigen, geb. 1243
38) Karl III. von Durazzo, der Kleine, Sohn Ludwigs von Gravina
39) Karl Ludwig Johann, Erzherzog von Österreich, Herzog von Teschen
40) Karl II. Ludwig Ferdinand von Bourbon, Herzog von Parma
41) Karl Ludwig, zweiter Sohn des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz und Elisabeths von England
42) Karl Philipp Theodor
43) Prinz von Preußen, dritter Sohn des Königs Friedrich Wilhelm III. und Bruder des deutschen Kaisers Wilhelm
44) Karl (Carol) I., König von Rumänien, geb. 20. April 1839
45) Karl August, Sohn des Herzogs Ernst August Konstantin
46) Karl Friedrich, Sohn und Nachfolger des vorigen
47) Karl Alexander August Johann
48) Karl Emanuel I. oder der Große, Herzog von Savoyen
49) Karl Emanuel I., König von Sardinien
50) Karl Emanuel II., Sohn Viktor Amadeus' III.
51) Karl Felix, geb. 6. April 1765
52) Karl Albert, Sohn des Prinzen Karl Emanuel von Savoyen-Carignan und der Marie Christine
53) Karl (eigentlich Christian) August
54) Karl Günther, Fürst von Schwarzburg-Sondershausen
55) Könige von Schweden: K. VII. (die ersten sechs Karl
56) Karl VIII. Knutson Bonde, geb. 1408
57) Karl IX., der Große, jüngster Sohn Gustavs I. Wasa
58) Karl X. Gustav, Sohn des Pfalzgrafen Johann Kasimir von Zweibrücken und Katharinas
59) Karl XI., Sohn des vorigen, geb. 24. Nov. 1655
60) Karl XII., Sohn des vorigen, geb. 27. Juni 1682, erwarb sich
61) Karl XIII., zweiter Sohn des Königs Adolf Friedrich von Schweden und der Luise Ulrike
62) Karl XIV. Johann, ursprünglich Jean Baptiste Jules Bernadotte
63) Karl XV. Ludwig Eugen, Enkel des vorigen
64) Karl I., s. v. w. K. V.
65) Karl II., Sohn Philipps IV. und der Maria Anna von Österreich
66) Karl III., Sohn Philipps V. und der Elisabeth Farnese
67) K. IV., Sohn des vorigen
68) (Don Carlos) Infant und Kronprinz von Spanien, Sohn König Philipps II. aus dessen erster Ehe mit Maria von
69) Karl Maria Joseph Isidor de Borbou y Borbon
70) Karl Ludwig Maria Ferdinand, Prinz von Asturien (K. VI.)
71) Karl Maria de los Dolores Johann Isidor Joseph Franz
72) Karl Alexander, Herzog von Württemberg
73) Karl Eugen, Herzog von Württemberg, Sohn des vorigen
74) Karl I. Friedrich Alexander, König von Württemberg
(althochd. Charal, Karl, »Mann«, latinisiert Carolus, franz. u. engl. Charles, ital. Carlo, span. Carlos), männlicher Vorname, Name zahlreicher fürstlicher Personen.
| Übersicht nach den Ländern: | |
|---|---|
| Karolinger | 1–4. |
| Deutsche
Kai |
5–8. |
| Baden | 9. |
| Bayern | 10, 11. |
| Branden |
12. |
| Braun |
13, 14. |
| Burgund | 15. |
| Frank |
16–25. |
| Groß |
26–28. |
| Hohenzollern | 29, 30. |
| Lothrin |
31–34. |
| Meck |
35. |
| Neapel- |
36–38. |
| Öster |
39. |
| Parma | 40. |
| Pfalz | 41, 42. |
| Preußen | 43. |
| Rumänien | 44. |
| Sach |
45–47. |
| Savoyen- |
48–52. |
| Schleswig- |
53. |
| Schwarz |
54. |
| Schweden | 55–63. |
| Spanien | 64–68. |
| Prä |
69–71. |
| Württem |
72–74. |
* 6 Hammer.
1) Karl Martell, der »Hammer«, [* 6] der Sohn des Majordomus Pippin von Herstal und der schönen Chalpaida, geboren um 688, wurde nach dem Tod seines Vaters (714) von den austrasischen Franken zum Herzog gewählt, schlug die Neustrier unter ihrem König Chilperich II. und dem Majordomus Raganfrid 716 und 717 bei Amblève und Vincy. Er erhob nun Chlotar IV., nach dessen frühem Tode Theuderich IV. auf den Thron [* 7] und wurde, als Chilperich von Neustrien 720 starb, Majordomus des ganzen Frankenreichs.
* 8 Sachsen.
Indem er kirchliche Ämter Anhängern, meistens Laien, verlieh, manchem von ihnen sogar mehrere Bistümer übertrug, wußte er die reichen Hilfsmittel der Kirche für die Ausbreitung seiner Macht nutzbar zu machen. Denn in Wahrheit herrschte er, nicht der König, obwohl man dem Merowinger noch immer königliche Ehren erwies. Als Theuderich 737 starb, hat Karl Martell keinen König mehr eingesetzt. Nachdem er die Friesen meist unterworfen (722) und sogar die Sachsen [* 8] bekriegt hatte (724), bewältigte er die widerstrebenden deutschen Stämme, wie Bayern [* 9] (728) und Alemannen (730). Indem er dann die Araber, deren gewaltigem Anprall das Westgotenreich in Spanien [* 10] und das Herzogtum Aquitanien erlegen waren, in der denkwürdigen Schlacht bei Poitiers (auch bei Tours [* 11] genannt) 732 und bei Narbonne 737 besiegte und ihrem Vordringen für immer Halt gebot, hat er sich ein Anrecht darauf erworben, als der Retter der christlich-germanischen Kultur gepriesen zu werden. Die Macht seines Hauses hatte Karl Martell begründet, die des Frankenreichs wiederhergestellt; dem Papst konnte er gegen die Langobarden nicht mehr helfen, denn er starb schon 22. Okt. 741 in Kiersy, nachdem er die Herrschaft unter seine Söhne Karlmann und Pippin den Kleinen geteilt hatte.
Vgl. Breysig, Jahrbücher des fränkischen Reichs 714–741 (Leipz. 1869).
* 12 Aachen.
2) Karl I., der Große, König der Franken und römischer Kaiser, Enkel des vorigen, ältester Sohn Pippins des Kleinen und der Bertha, einer Tochter Chariberts, Grafen von Laon, geb. 2. April 742. Sein Geburtsort ist unbekannt, Aachen [* 12] oder Ingelheim sind nur durch die Sage oder spätere Schriftsteller beglaubigt. Karl wurde nach dem Tod seines Vaters (768) mit seinem Bruder Karlmann zum König gesalbt und erhielt Austrasien und einen Teil von Aquitanien, bemächtigte sich aber nach seines Bruders Tod 771 mit Zustimmung der Großen des ganzen Reichs, worauf Karlmanns Witwe samt ihren unmündigen Söhnen zu ihrem Vater, dem Langobardenkönig Desiderius, floh. 773 zog er gegen letztern, zwang ihn nach einer zehnmonatlichen Belagerung in Pavia, sich zu ergeben, schickte ihn in ein Kloster und ließ sich als König der Langobarden huldigen (Juni 774). Daneben beschäftigte ihn bereits seit 772 der Plan, die noch unabhängigen Sachsen zu unterwerfen und zugleich zum Christentum zu bekehren.
* 14 Westfalen.
Nachdem sich auch die Reichsversammlung zu Worms [* 13] für den Krieg entschieden hatte, drang Karl in das Land des sächsischen Stammes der Engern ein, nahm die Eresburg (an der Stelle des heutigen Stadtberge) ein und zerstörte die Irminsul, nach sächsisch-heidnischem Glauben die das Weltall tragende Säule (unweit Altenbeken). Die Engern versprachen Unterwerfung und Annahme des Christentums. 774 empörten sie sich wieder, wurden aber durch ein fränkisches Heer geschlagen und gezüchtigt. 775 wurden dann nicht nur die Engern, sondern auch die Ostfalen und Westfalen, [* 14] die andern Stämme der Sachsen, unterworfen; allein sie empörten sich immer wieder (so 776 und 778). Am gefährlichsten war der Aufstand von 782. Widukind, ein westfälischer Fürst, kehrte damals aus Dänemark, [* 15] wo er bisher eine Zuflucht gefunden hatte, zurück, reizte die Sachsen, welche gerade auf einem Zuge gegen die feindlichen Sorben Heeresfolge leisten sollten, auf, und sie vernichteten ein fränkisches Heer am Süntelgebirge. Karl erschien alsbald und ließ zum warnenden Beispiel 4500 Sachsen zu Verden [* 16] an der Aller enthaupten. Nun erhoben sich die Sachsen von neuem zahlreicher als je, aber Karl schlug sie 783 bei Detmold [* 17] und entscheidender an der Hase. [* 18] Damit war der sächsische Krieg eigentlich beendet, besonders da sich 785 Widukind und Albion, ein andrer Häuptling, unterwarfen und zu Attigny taufen ließen. Zwar griffen die Sachsen noch mehrmals zu den Waffen, [* 19] aber beim Herannahen Karls ergaben sie sich gewöhnlich. Die Nordalbinger (Sachsen nördlich der Elbe) wurden erst ¶
804 unterworfen und damals 10,000 von ihnen als Geiseln für die Treue ihrer Landsleute ins innere Deutschland [* 21] weggeführt. Massentaufen der Sachsen hatten wiederholt stattgefunden, und nach und nach wurden folgende Bistümer begründet: Halberstadt, [* 22] Paderborn, [* 23] Minden, [* 24] Verden, Bremen, [* 25] Münster [* 26] und Osnabrück, [* 27] von Klöstern Korvei und Herford. [* 28] Den Gedanken, in Hamburg [* 29] ein Erzbistum zu begründen, hat Karl nicht mehr ausführen können. Sogar über die Grenzen [* 30] Sachsens hinaus ist Karl vorgedrungen. 789 unterwarf er die Wilzen jenseit der Elbe, die Obotriten waren ihm verbündet, 806 wurden die Sorben und selbst die Böhmen [* 31] teilweise abhängig und 808 die Eidergrenze gegen Dänemark behauptet.
* 32 Raab.
Diese Grenze wurde von letzterm auch 811 anerkannt. Als Karl 788 den unbotmäßigen Herzog von Bayern, Thassilo, abgesetzt hatte (derselbe wurde ins Kloster Jumièges geschickt und die herzogliche Würde in Bayern aufgehoben), wurde er in einen Krieg mit dessen Verbündeten, den räuberischen Avaren, verwickelt. 791 drang Karl bis zur Raab [* 32] vor, der Markgraf Erich von Friaul erstürmte 795 den Hauptring der Avaren an der Theiß, und 796 zwang Karls Sohn Pippin dieselben zur Unterwerfung.
Schon viele Jahre vorher hatte Karl, damals noch mit dem Sachsenkrieg beschäftigt, eine Eroberung im Süden begonnen. 777 war eine arabische Gesandtschaft des Statthalters von Saragossa, [* 33] Hussein el Abdari, auf dem Reichstag zu Paderborn erschienen und hatte Karl um Hilfe gegen Abd ur Rahmân, den omejjadischen Kalifen von Cordova, gebeten. Karl zog 778 über die Pyrenäen, nahm Pamplona ein und eroberte Saragossa, wo er Hussein wieder einsetzte. Auf die Kunde von einem Sachsenaufstand trat er den Rückzug an. Auf diesem wurden die Franken (wahrscheinlich im Thal [* 34] von Roncesvalles) von den treulosen Basken überfallen und viele getötet, darunter Hruodland, der Befehlshaber der britannischen Mark, das Urbild des Roland der Sage. Karl hatte seine Eroberung wieder aufgeben müssen und konnte erst nach einem glücklichen Feldzug seines Sohns Ludwig in Spanien (799) und nach dem Fall Barcelonas 801 die spanische Mark errichten, welche das Land von den Pyrenäen bis zum Ebro umfaßte.
* 35 Norden.
Zum Schutz des Reichs richtete Karl auch an den andern Grenzen seines Reichs Marken ein: gegen die südlichen Slawen die Marken von Friaul und Kärnten, gegen die Avaren die avarische Mark (das spätere Österreich), gegen die Böhmen die fränkische im Nordgau, gegen die Sorben die thüringische an der Saale, gegen die Dänen die Mark an der Eider. In den Marken siedelte er fränkische Vasallen (Markmannen) an und verlieh den Markgrafen, unter welche er sie stellte, eine ausgedehntere Gewalt als den Grafen des Binnenlandes. Karls Reich erstreckte sich im Norden [* 35] bis zur Eider, im Osten bis zur Elbe, Saale und Raab, im Süden bis zum Volturno und Ebro, im übrigen bis zum Atlantischen und Mittelländischen Meer.
In Karls Geiste durchdringen sich politische und religiöse Interessen: er betrachtete sich nicht allein als weltlichen Herrscher, sondern auch als Haupt der Kirche, welcher alle Reichsgenossen angehörten. Seine Herrschaft besaß einen universalen Charakter, noch bevor das römische Kaisertum wieder erstand. Schon vorher war Karl Patricius von Rom, [* 36] wie sein Vater; er besaß die Schlüssel zum Grab des heil. Petrus und hatte das Gelöbnis der Treue vom Papst empfangen, nur der kaiserliche Name fehlte.
* 37 Band.
Auch diesen empfing er, als ihm am Weihnachtstag 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom die goldene Krone aufs Haupt setzte. Ostrom erkannte ihn 812 als Kaiser an, auch die christlichen Angelsachsen und Schotten betrachteten ihn als Oberherrn. Selbst in dem Patrimonium Petri, dessen Besitz Karl 774 dem Papst versprochen hatte, wenn er seine Ansprüche als begründet nachweisen könne, waren des Kaisers Herrschaftsrechte unbestritten. Karl hat auf die neue Würde großes Gewicht gelegt; 802 ließ er sich von seinen Unterthanen einen neuen Eid leisten: nicht das altgermanische Verhältnis der Treue sollte fortan das einzige Band [* 37] zwischen Fürst und Volk sein, sondern es kam der christliche Gehorsam gegen den Oberherrn der Kirche hinzu. Im fränkischen Reich war die Besetzung der Bistümer, die Verleihung der Pfründen immer in der Hand [* 38] des Königs gewesen; Karl hat aber auch in die Lehre [* 39] der Kirche eingegriffen.
Die Kirchenversammlungen berief er nicht nur, sondern er änderte auch ihre Beschlüsse nach Gefallen ab, überwachte den Wandel der Geistlichen mit aufmerksamem Auge [* 40] und stellte ihnen die Regel des heil. Benedikt zum Vorbild auf. Auch in den weltlichen Gesetzen hat er damals geändert, was gegen Gottes Gebote zu verstoßen schien; doch das germanische Recht und die auf nationaler Grundlage erwachsene Organisation des fränkischen Reichs hat er nicht angetastet, vielmehr naturgemäß weiter entwickelt.
Durch seine Erlasse (Kapitularien) suchte er höchstens eine größere Einheit in dem vielsprachigen Reich herzustellen. Sie wurden auf den beiden Reichsversammlungen beschlossen, welche Karl im Mai und im Herbst zu berufen pflegte. Da erschienen und erstatteten Bericht die Sendboten (missi), welche Karl in den Provinzen umhersandte, um den Kultus, die Finanzen und das Gerichtswesen zu überwachen. Sie hielten in ihrem Bezirk viermal jährlich Gericht als eine über den Grafen stehende Instanz. An Stelle der Herzöge, deren Ämter Karl beseitigt hatte (außer Benevent), wurden sie vorgesetzte Behörde der Grafen. In jedem Gau gab es einen Grafen; seine Funktionen waren richterlicher und militärischer Art. Dreimal im Jahr hielt er die ordentliche Gerichtsversammlung ab, zu welcher alle Freien erscheinen mußten, und führte den Heerbann seines Gaues in den Krieg; doch waren nicht alle Freien zur Heeresfolge verpflichtet, zumal da man bisweilen in die weite Ferne ziehen und sich selbst verpflegen mußte.
Dem Eigengut wurde damals schon das gegen Treueid empfangene Lehen (beneficium) gleich geachtet, und die Lehnsleute zogen unter Führung ihrer Herren in den Krieg. Die Beamten bezogen keinen Gehalt, sondern wurden durch Landverleihungen und Anteil an den Gerichtsbußen entschädigt. Deshalb konnte Karl auch ohne Steuern auskommen. Der größte Teil des Staatseinkommens floß aus den Erträgen der königlichen Domänen, deren Verwaltung Karl mit Sorgfalt und großer Sachkenntnis leitete.
Dazu kamen Gerichts- und Heerbannbußen, freiwillige Geschenke, welche von jeher üblich waren, und schließlich gewaltsame Einziehungen, welche über treulose Große verhängt wurden. Daneben war jeder zum Vorspann, zur Verpflegung des Königs, wenn er im Land umherzog, verpflichtet. So gewann Karl erhebliche Geldmittel und konnte sogar gewaltige Unternehmungen, wie einen Donau-Mainkanal, den er wenigstens begann, und glänzende Bauten von Kirchen und Pfalzen ausführen, wie in Nimwegen, [* 41] Ingelheim und vor allen in Aachen. Diese Verfassung, wie sie Karl im Lauf der Jahre ausbildete, muß man als durchaus germanisch bezeichnen; nur in Äußerlichkeiten gab er römischen oder byzantinischen Einflüssen Raum, wie im Zeremoniell, indem er bei Hof [* 42] den Kniefall und Fußkuß ¶
Fortsetzung Karl:
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 9. Band: Irideen - Königsgrün, Seite 511; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/09_0511
x.
18.490 Karl19.521 Karl_29.539 Karl-Friedrichs-Verdienstorden, Militärischer9.539 Karlburg9.539 Karldor9.539 Karli9.539 Karliner9.540 Karlisten48.34 Karlisten_29.540 Karlmann9.540 Karlmeinet9.540 Karloskop9.540 Karlovac9.540 Karlovitz9.543 Karls Herz9.540 Karlsbad9.542 Karlsbader Beschlüsse9.542 Karlsbader Salz22.660 Karlsbader Salz_29.542 Karlsberg9.542 Karlsborg9.542 Karlsbrunn9.542 Karlsburg9.542 Karlsdistel60.174 Karlseiche9.542 Karlsfeld60.174 Karlsfeld_29.542 Karlshafen9.543 Karlshall60.174 Karlshalle9.543 Karlshamn60.174 Karlshamn_260.174 Karlsherz60.174 Karlshöhle60.174 Karlshütte9.543 Karlskrona60.174 Karlskrona_260.174 Karlskrona-Län9.543 Karlsmarkt9.543 Karlsorden60.174 Karlsorden_29.544 Karlsruhe60.174 Karlsruhe_29.545 Karlssage9.545 Karlsschule9.546 Karlssteine9.546 Karlstad9.546 Karlstadt9.546 KarlsteinSie sind hier: eLexikon > Meyers > Band 9 > Seite 9.511