Gascogne
(spr. -konnj, Vasconia), alte Landschaft im südwestlichen Frankreich, hat ihren Namen von den Basken (Vaskonen), welche, in der Mitte des 6. Jahrh. von den Westgoten aus ihren Wohnsitzen am südlichen Abhang der Pyrenäen verdrängt, sich in dem frühern römischen Distrikt Novempopulania zwischen der Garonne, dem Atlantischen Ozean und den Westpyrenäen niederließen. Sie umfaßte somit die heutigen Departements Landes, Gers und Oberpyrenäen sowie den südlichen Teil von Obergaronne, Tarn-et-Garonne und Lot-et-Garonne und zerfiel in eine Menge kleinerer Landschaften, als: Comminges (Hauptort: Muret), Nébouzan (St.-Gaudens) und Couserans (Massat), Bigorre (Tarbes), Armagnac (Auch), Astarac (Mirande), Lomagne (Lectoure), Condomois (Condom), Chalosse (St.-Sever), die Landes (Dax), Tursan (Aire), Soule (Mauléon) und Labourd (Bayonne).
Gascognisches Meer - G
* 3 Seite 6.929.
Das Gesamtareal des
Landes beträgt 25,990 qkm (472 QM.; vgl. die einzelnen
Departements). Die Bewohner der Gascogne
(Gascogner
), etwa 1 Mill. zählend, haben ihre interessante Volkstümlichkeit
sowohl in ihrer äußern
Erscheinung als auch in
Sprache
[* 2] und
Sitten und ihren gutmütigen
Charakter bis heute bewahrt.
Der Gascogner
ist klein und mager, aber nervig, hat feine
Züge, heißes
Blut und eine lebhafte
Einbildungskraft. Er besitzt
Ehrgeiz und Unternehmungsgeist, ist aber aufbrausend, eitel und sehr zur übertreibung geneigt.
Daher das
Wort
Gasconade als
Bezeichnung für eine harmlose Aufschneiderei. Im übrigen charakterisieren ihn Geistesschärfe, Geschicklichkeit, Heiterkeit,
Ausdauer; auch
ist er ein guter
Soldat. Doch paßt diese
Signatur vollständig nur auf die Gascogner
des
Gersdepartements; die
Bauern der
Landes, in Erdhütten wohnend, sind ganz unkultiviert und äußerst unwissend, aber gut und
ehrlich. – ^[GEDANKENSTRICH]
¶
Die Gascogne
, das alte Gallovasconia, bildete das ursprüngliche, meist von Iberern (Vasconen) bewohnte Aquitanien, nach dessen
Erweiterung durch Augustus (27 v. Chr.) die Provinz Novempopulana oder Vasconia, woraus Gascogne
entstand. Nach dem Sturz des Römerreichs
gehörte Gascogne
zum Westgotenreich und ward 602 von den Franken erobert, die es mit dem Herzogtum Aquitanien
vereinigten, dessen Schicksale es fortan teilte. Karl d. Gr. gab der Gascogne
eigne, von dem karolingischen Teilreich Aquitanien abhängige
Herzöge.
Der erste derselben, Welf I. (Lupus), regierte 768–774; sein Enkel Welf II. fiel 778 dem von Spanien
[* 4] zurückkehrenden Karl d. Gr.
im Thal
[* 5] Roncesvalles in den Rücken und brachte seinem Nachtrab eine Niederlage bei, geriet aber in des Kaisers
Gewalt und wurde aufgehängt. Auch die folgenden Herzöge befanden sich in stetem Kampf gegen die fränkischen Könige, so daß 836 die
Gascogner
unter absetzbare Herzöge gestellt wurden. Da sie aber von ihrem angestammten Herrschergeschlecht nicht lassen wollten,
so rissen sie sich 872 abermals von Frankreich los und wählten Sancho Miterra, den Enkel eines frühern
Herzogs, Welf Centulus, zu ihrem Herzog. 1040 bemächtigte sich Bernhard II. von Armagnac des Herzogtums und behauptete es eine
Zeitlang, wurde aber durch Wilhelm VII., Herzog von Aquitanien, wieder vertrieben.
Bordeaux
* 6 Bordeaux.
Die Gascogne
gehörte nun abermals zum Herzogtum Aquitanien oder Guienne, kam durch die Heirat der Erbtochter Wilhelms
VIII., Eleonore, mit Heinrich Plantagenet (1152), als dieser 1154 König von England wurde, unter englische Herrschaft und blieb
unter derselben, bis sie 1451 von den Franzosen erobert und im Frieden von 1453 an diese abgetreten wurde. Unter den Herzögen
bestand das Land aus der denselben unmittelbar gehörigen Grafschaft Gascogne
, welche die Bistümer Aire, Lescar,
Oléron, Dax und Bayonne oder das eigentliche Gascogner
Land umfaßte, und aus den mittelbaren Grafschaften Bigorre, Bordeaux,
[* 6] Agen, Fézenzac, Lectoure.
Vgl. Monlezun, Histoire de la Gascogne.
(Auch 1846–50, 6 Bde.);
Cénac-Moncaut, Littérature populaire de
la Gascogne
(Par. 1868);
Bladé, Contes populaires de la Gascogne
(das. 1886, 3 Bde.).