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| Berliner Blau | Name mehrerer tiefblauer Substanzen, welche auf verschiedene Weise, am häufigsten durch / 645 |
| Berlinerblau | (Preußischblau, Coeruleum berolinense). - Unter diesem Namen faßt man gewöhnlich alle diejenigen / 379 |
| Berliner Blau | ein wichtiges Farbmaterial, das eine leichte dunkelblaue, auf dem Bruche kupferglänzende / 421 |
Berliner
Blau
2 Seiten, 1'445 Wörter, 10'619 Zeichen
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 2
Berliner
* 2 Berliner.
[* 2]
Blau,
Name mehrerer tiefblauer
Substanzen, welche auf verschiedene
Weise, am häufigsten durch
Fällung von
Eisenoxydulsalzen
mit rotem oder durch
Fällung von
Eisenoxydsalzen mit gelbem
Blutlaugensalz, erhalten werden, früher
allgemein
als
Verbindungen von
Eisencyanür (FeCy2 ) mit Eisencyanid (Fe2Cy6 ) betrachtet wurden,
nach neuern Forschungen aber komplizierter zusammengesetzt sind. Gießt man in eine
Lösung von gelbem
Blutlaugensalz eine
zur
Zersetzung desselben nicht hinreichende
Menge von Eisenchloridlösung oder umgekehrt eine Eisenoxydulsalzlösung in überschüssige
Lösung von rotem
Blutlaugensalz, so entsteht ein tiefblauer
Niederschlag (Fe2K2[Fe2Cy12] ^[Fe2K2[Fe2Cy12]]),
welcher sich beim
Auswaschen, sobald die
Salze entfernt sind, plötzlich in
Wasser löst (lösliches Berliner
). Er ist tiefblau
, amorph,
verliert seine Löslichkeit bei 100°, wird aus den
Lösungen durch
Salze und
Alkohol gefällt und gibt mit
Alkalien
Eisenhydroxyd
und
Kaliumeisencyanür; Eisenvitriollösung fällt aus seiner
Lösung
Turnbulls Blau (Ferroferricyanid)
2Fe5Cy12 . Dies wird aus Eisenoxydulsalzlösung durch rotes
Blutlaugensalz gefällt, ist tiefblau
,
aber etwas heller als das folgende, löst sich in
Oxalsäure mit rein blauer
Farbe, nicht in
Wasser, gibt beim Erhitzen
Blausäure
und
Eisenoxyd und beim
Kochen mit
Kalilauge gelbes
Blutlaugensalz und
Eisenhydroxyd.
* 3 Kupferglanz.
Wird
Turnbulls Blau mit
Salpetersäure oder wässerigem
Chlor behandelt, so entsteht
Williamsons Blau 2Fe9Cy18
, welches auch aus Eisenoxydsalzlösungen durch gelbes
Blutlaugensalz und aus der
Lösung von löslichem Berliner
durch
Eisenoxydsalzlösung gefällt wird. Es ist tiefblau
, geruch- und geschmacklos, nimmt beim Reiben starken
Kupferglanz
[* 3] an, löst
sich nicht in
Wasser, gibt beim Erhitzen
Eisenoxyd und
Blausäure und verbrennt bei starkem Erhitzen an der
Luft wie Zunder.
Beim
Kochen mit
Ätzlauge gibt es gelbes
Blutlaugensalz und
Eisenhydroxyd. Es löst sich in
Oxalsäure mit rein blauer, in weinsaurem
Ammoniak mit violetter
Farbe.
Alle
Sorten von Berliner
enthalten
Wasser und sind hygroskopisch, ein Teil des
Wassers
entweicht erst bei vollständiger
Zersetzung. In der
Technik wird ein im wesentlichen aus
Turnbulls Blau bestehendes
Präparat
dargestellt, indem man eine
Lösung von gelbem
Blutlaugensalz mit Eisenvitriollösung fällt, den entstehenden weißen
Niederschlag
durch
Kochen mit
Salpetersäure und
Schwefelsäure
[* 4] bläut, auswäscht, preßt und trocknet.
Dies
Pariser Blau ist sehr leicht, tiefblau, kupferglänzend, in
Wasser unlöslich. Ein helles
Stahlblau
mit wenig
Kupferglanz
(Miloriblau) wird durch
Oxydation des weißen
Niederschlags mit
Chromsäure erhalten. Auch aus der
Mutterlauge
von der
Darstellung des roten
Blutlaugensalzes, aus
Gaskalk und Lamingscher
Masse (der Gasanstalten) wird Berliner
dargestellt. Im
Handel versteht man unter
Pariser Blau stets die reine
Verbindung, unter Berliner
dagegen Mischungen derselben
mit
Stärke,
[* 5]
Schwerspat,
Gips,
[* 6]
Thon etc.; hellere
Nüancen bilden das
Mineralblau
(Hamburger,
Fingerhutblau), und eine Mischung von
Pariser Blau mit viel
Stärke zum
Bläuen der Wäsche ist das
Waschblau
(Neublau).
Pariser Blau ist recht luft- und lichtbeständig, bleicht aber doch nach und nach aus. Es besitzt
sehr große Deckkraft und kann als
Wasser- und
Ölfarbe, aber nicht als
Kalkfarbe benutzt werden, da es von
Ätzkalk zersetzt
wird.
Säuren widersteht es recht gut, durch
Schwefelwasserstoff aber wird es schmutzig. Mit rein gelber
Farbe gibt es ein schönes
Grün. Man benutzt es auch in der Buntpapierfabrikation, zum
Buch- und Tapetendruck. Mit
Leinöl gekocht,
gibt es einen sehr schönen schwarzen, elastischen Lederlack
(Blaulack), wobei es aber selbst ganz unverändert bleibt und
aus dem Bodensatz wiedergewonnen werden kann.
Lösungen von Berliner
benutzt man
¶
als blaue Tinte, zur Aquarellmalerei, zum Illuminieren von Landkarten
[* 8] und zum Ausspritzen der Gefäße bei anatomischen Präparaten.
In der Zeugdruckerei befestigt man bisweilen das fertige Berliner
mit Eiweiß auf den Geweben, meist erzeugt man es aus diesen selbst,
indem man sie mit Eisenoxydlösung tränkt und dann durch eine Mischung von gelbem Blutlaugensalz mit
Mineralsäure passiert. Wird gleichzeitig Zinnchlorür angewendet, so erhält das Blau eine prächtige Purpurnüance (Raymonds
Blau, Napoleons Blau, Kaliblau). Das auf Seide
[* 9] hervorgebrachte Bleu de France wird nur mit Blutlaugensalz versetzt, indem man die
Lösung mit Schwefelsäure versetzt und das Gewebe
[* 10] in der Flüssigkeit bei Luftzutritt erhitzt. Berliner
wurde 1704 von
Diesbach in Berlin
[* 11] entdeckt und die Fabrikation bis 1724 geheim gehalten. Später wurde es der Ausgangspunkt für zahlreiche
Untersuchungen, und erst in neuester Zeit erkannte man die wahre Zusammensetzung.
Ende Berliner Blau (1)
(2) Merck`s Warenlexikon, 1884 _ 21
Berlinerblau
(Preußischblau, Coeruleum berolinense). – Unter diesem Namen faßt man gewöhnlich alle diejenigen blauen Farben zusammen, die aus Eisencyanürcyanid in mehr oder weniger reinem Zustande bestehen. Das reine Eisencyanürcyanid ist tief dunkelblau und kann in zwei verschiedenen Arten erhalten werden, die das Eisencyanid und Eisencyanür in zwei verschiedenen Mengen Verhältnissen enthalten und sich auch in der Farbennüance unterscheiden. Das Material zur Bereitung liefern die beiden Blutlaugensalze (s. d.). Wenn man eine Lösung von rotem Blutlaugensalz mit einer Lösung von Eisenvitriol vermischt, so erhält man einen dunkelblauen Niederschlag, der nach dem Trocknen aus prachtvoll tiefblauen Stücken mit einem Stiche ins Violette besteht; dieses Eisencyanürcyanid führt den besonderen Namen Turnbull's Blau, ist aber teurer und weniger im Handel, als das aus gelbem Blutlaugensalze bereitete.
Setzt man zu dessen Lösung eine Eisenvitriollösung, so erhält man einen hellblauen (bei vollständigem Luftabschluß weißen) Niederschlag, der an der Luft – nach und nach, schneller durch Zusatz von etwas Chlorkalklösung, dunkelblau wird. Dieser Niederschlag getrocknet ist das gewöhnliche B. des Handels. Durch Zusatz von indifferenten weißen Körpern, wie Thon, Gips, Schwerspat u. s. w. erhält man die helleren und billigeren Sorten, die wieder besondere Namen führen, so z. B. Louisenblau, Zwickauerblau, Ölblau, Antwerpenerblau, Mineralblau, Sächsisches Blau, Hortensienblau. – Wendet man zur Fällung des gelben Blutlaugensalzes, anstatt Eisenvitriol, ¶
48
Berlinerrot – Bernsteinöl eine schwefelsaure Eisenoxydlösung oder eine Eisenchloridlösung an, so erhält man sofort einen
dunkelblauen Niederschlag, braucht also in diesem Falle keine Chlorkalklösung hinzuzusetzen. Der Niederschlag hält aber
auch nach dem Auswaschen immer noch eine gewisse Menge Kali zurück; wird dieses durch Behandlung mit einer Mineralsäure entfernt,
so erhält man ein reineres und intensiver gefärbtes Eisencyanürcyanid, welches man Pariserblau oder
auch Miloriblau nennt; man erhält es in dunkelblauen Stücken, welche auf dem Bruche einen kupferroten Metallglanz zeigen,
ähnlich dem Indigo. Eine Lösung dieses Pariserblau in wässriger Oxalsäure wird als blaue Tinte verwendet. Es läßt sich
auch durch sorgfältiges Auswaschen aller beigemengten Salze ein Blau herstellen, welches sich in destilliertem
Wasser auflöst und lösliches Berlinerblau
genannt wird; durch Zusatz von etwas Alkohol kann es ausgefällt werden; man verkauft
es in Form kleiner Täfelchen. – Neublau oder Waschblau ist Stärkemehl, welches durch einige Prozente B. hellblau gefärbt
ist und zum Bläuen der Wäsche benutzt wird. Die aufgeführten blauen Farben (Mineralblau) sind wie
auch das mit Stärke versetzte Waschblau zollfrei. – Zu vergl. Anilinfarben.
Ende Berliner Blau (2)
(3) Brockhaus´ Konversationslexikon, 1902-1910 _ 52
Berliner
[* 2] Blau, ein wichtiges Farbmaterial, das eine leichte dunkelblaue, auf dem Bruche kupferglänzende Masse darstellt. Es wird durch Wärme [* 14] sowie durch Alkalien und konzentrierte Säuren zerstört. Es bildet sich immer, wenn Lösungen von gelbem Blutlaugensalz und von Eisenoxydsalzen zusammenkommen. Der entstehende blaue Niederschlag hat die chem. Zusammensetzung Fe7(CN)18 und kann als Eisenoxydsalz der Ferrocyanwasserstoffsäure betrachtet werden.
Bei der technischen Darstellung fällt man gelbes Blutlaugensalz mit Eisenvitriollösung, wodurch zuerst ein weißer Niederschlag von Ferro-Ferrocyanür, Fe3(CN)6, gebildet wird, der durch oxydierende Mittel, wie Chlor, nachträglich in Blau verwandelt wird. Hierbei entsteht das eisenoxydhaltige basische berliner Blau, das demnach immer im gewöhnlichen Handelsprodukte neben neutralem berliner Blau vorhanden ist. Erfunden wurde es 1704, nach andern 1707, von dem Farbenfabrikanten Diesbach in Dippels Laboratorium [* 15] zu Berlin und die Bereitung bis 1724 als Geheimnis bewahrt.
* 16 Baumwolle.
Das an sich unlösliche berliner Blau löst sich in verdünnter Oxalsäure leicht auf (blaue Tinte). In der Aquarellmalerei verwendet man eine in Wasser lösliche Modifikation, deren Darstellung etwas abweichend ist. Das gewöhnliche berliner Blau gebraucht man als Leimfarbe, seltener in der Ölmalerei. Die vorzüglichste Anwendung findet es aber in der Färberei für Wolle und Baumwolle [* 16] und in der Zeugdruckerei. Das nach einem bestimmten Verfahren auf Seide hervorgebrachte Blau heißt Bleu Raymond oder Bleu de France. Das berliner Blau, dessen verschiedene Sorten auch unter den Namen Pariser Blau, Miloriblau, Erlanger Blau, Preußischblau, Hamburger Blau im Handel vorkommen, enthält oft Thonerde oder Schwerspat. Die hellern so gemischten Sorten nennt man Mineralblau. Ein ähnliches Blau ist auch das Turnbullblau (s. d.).
Das Verfahren des Färbens mit berliner Blau ist etwas verschieden, je nachdem man Baumwolle oder Wolle zu färben hat. Für Baumwolle fällt man das berliner Blau unmittelbar auf der Faser, indem man die Stoffe zuerst durch eine Lösung eines Eisensalzes nimmt, sie gut auswringt und dann in eine angesäuerte Lösung von Blutlaugensalz eintaucht. Für 10 kg Baumwolle z. B. bereitet man das Eisenbad aus 1400 g Eisenbeize von 40° B. (salpetersaures Eisen) [* 17] und 130 g Zinnsalz, das zweite Bad [* 18] enthält 260 g gelbes Blutlaugensalz und 240 g Schwefelsäure.
Wollene Stoffe färbt man mit rotem Blutlaugensalz in saurer Lösung heiß aus, wobei die frei werdende Ferricyanwasserstoffsäure sich beim Erhitzen zersetzt und berliner Blau ausscheidet, das von der Wolle fixiert wird. Zum Färben von 10 kg Wolle z. B. löst man im kupfernen Kessel 500 g rotes Blutlaugensalz, fügt 500 g Schwefelsäure hinzu, bringt die Wolle hinein und erhitzt hierauf ganz langsam zum Kochen; sobald die Flüssigkeit kocht, nimmt man die Wolle heraus, fügt noch 500 g Schwefelsäure zu, bringt die Wolle wieder hinein und kocht von neuem.
Ende Berliner Blau (3)
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 2. Band: Atlantis - Blatthornkäfer, Seite 765; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/berlinerblau
2.752 Berlin2.765 Berlin_22.765 Berline2.766 Berliner Braun2.766 Berliner Eisen2.766 Berliner Kongre2.766 Berliner Rot21.47 Berlinerblau
21.48 Berlinerrot32.154 Ber48.10 Berliner Kongre52.816 Berlin52.817 Berline52.817 Berliner Blau52.817 Berliner Börsen-Courier52.817 Berliner Börsen-Zeitung52.817 Berliner Braun52.817 Berliner Eisen52.817 Berliner Friede52.817 Berliner Grün52.817 Berliner Handels-GesellschaftSie sind hier: Lexikon '88 > Meyers > Band 2 > Seite 2.765 > Berliner Blau