| 2 Artikel | Textanfang / Anzahl Wörter |
|---|---|
| Biot | (spr. bi-o). 1) Jean Baptiste, Physiker, geb. 21. April 1774 zu Paris, besuchte die polytechnische / 588 |
| Biot _2 | (spr. bióh), Gustave, belg. Kupferstecher, geb. 1. Jan. 1833 zu Brüssel, Schüler von Calamatta, / 69 |
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 2
1) Jean Baptiste, Physiker
2) Edouard Constantin, berühmter Sinolog, Sohn des vorigen
Biot
(spr. bi-o).
* 6 Italien.
1)
Jean
Baptiste,
Physiker, geb. 21. April 1774 zu
Paris,
[* 3] besuchte die polytechnische
Schule daselbst, diente einige Zeit in der
Artillerie, studierte dann
Mathematik und
Naturwissenschaft, lehrte als
Professor der
Physik zu
Beauvais, ward 1800
Professor am
Collège de
France, 1804 am
Observatorium in
Paris und 1806 am
Büreau der Längenvermessung angestellt. Er begleitete
Gay-Lussac
auf seiner ersten Luftfahrt. Anfang 1806 ging er mit
Méchain und
Arago nach
Spanien,
[* 4] um hier die große Meridianvermessung
Frankreichs fortzusetzen. Zu demselben Behuf begab er
sich mit jenen nach
Formentera. Um einige streitige
astronomische
Beobachtungen zu berichtigen, ging er 1817 nach den Orkneyinseln, und 1824–25 besuchte er in Angelegenheiten
der
Gradmessung
[* 5] wieder
Spanien sowie auch
Italien.
[* 6] Er starb 3. Febr. 1862 in
Paris. Biot
vertritt in der
Wissenschaft den rein empirischen
Standpunkt und läßt alle philosophische
Spekulation beiseite. Er hat durch seine Untersuchungen verschiedener
Zweige die
Physik wesentlich gefördert.
Mit Arago führte er die genaueste Messung der Schwerkraft zu Paris aus; von ihm rührt die einzige vorliegende direkte Messung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Schalles in einem festen Körper her. Mit Arago zusammen maß er zuerst die Brechungsexponenten der Gase, [* 7] er entdeckte den Unterschied in der Doppelbrechung [* 8] der einachsigen Kristalle, [* 9] beschäftigte sich viel mit den Farbenringen, welche dünne Kristallplatten im polarisierten Licht [* 10] zeigen, und wurde der Begründer der optischen Saccharometrie.
Verdienstvoll sind seine
Arbeiten über
Wärmeleitung
[* 11] sowie üb er
Magnetismus
[* 12] und
Elektrizität.
[* 13] Die mit Savart vorgenommene
Untersuchung über die ablenkenden
Kräfte, welche ein
Strom auf eine
Magnetnadel ausübt, führten zu dem
Biot
-Savartschen
Gesetz, welches eine wesentliche
Stütze der Ampèreschen
Theorie des
Magnetismus bildet. Er schrieb: »Analyse
du traité de la mécanique céleste de
Laplace« (Par. 1801);
»Essai de géométrie analytique« (das. 1802, 8. Aufl. 1834; deutsch von Ahrens, 2. Aufl., Nürnb. 1840);
»Traité elementare d'astronomie physique« (Par. 1805, 2 Bde.; 3. Aufl. 1841–57, 5 Bde.);
»Traité de physique expérimentale et mathématique« (das. 1816, 4 Bde.);
»Traité élémentaire de physique expérimentale« (das. 1818 bis 1821, 2 Bde.; deutsch mit Zusätzen von Fechner, 2. Aufl., Nürnb. 1828–29, 5 Bde.).
Biot
wurde ferner durch seine optischen Untersuchungen zu einer
Theorie der
Bewegung der Äthermoleküle
geführt, welche er in den
»Recherches expérimentales et mathématiques sur les mouvements des molécules de la lumière
autour de leur centre de gravité« (Par. 1814) niederlegte. Als
Historiker veröffentlichte Biot
»Mélanges scientifiques et
littéraires« (Par. 1858, 3 Bde.),
* 14 Astronomie.
worin er das Leben hervorragender Mathematiker und Physiker schilderte. Auch beschäftigte er sich mit der Astronomie [* 14] der Ägypter, Inder und Chinesen und veröffentlichte darüber: »Recherches sur plusieurs points de l'astronomie égyptienne« (Par. 1829);
»Recherches sur l'ancienne astronomie chinoise« (das. 1840) und »Études sur l'astronomie indienne et sur l'astronomie chinoise« (das. 1862).
Mit Arago verfaßte er »Recueil d'observations géodésiques, astronomiques et physiques« (Par. 1824).
2) Edouard Constantin, berühmter Sinolog, Sohn des vorigen, geb. 2. Juli 1803 zu Paris, studierte an der polytechnischen Schule und begleitete 1824 und 1825 seinen Vater auf einer wissenschaftlichen Reise nach Italien. Dann übernahm er die Erbauung einer Eisenbahn von St.-Etienne nach Lyon, [* 15] der ersten in Frankreich. Wegen Kränklichkeit zog er sich aus dem Staatsdienst zurück und begann seine Muße dem Studium des Chinesischen zu widmen. Seit 1847 Mitglied der Akademie, starb er 12. März 1850. Früchte seiner chinesischen Studien waren zahlreiche Aufsätze im »Journal des savants« und »Journal asiatique« sowie die größern Werke: »Dictionnaire des villes et arrondissements de l'empire chinois« (Par. 1842);
»Essai sur l'histoire de l'instruction publique en Chine« (das. 1845, 2 ¶
Bde.) und »Chine et Indo-Chine« (das. 1846). Von seinen Übersetzungen chinesischer Schriften verdient die Bearbeitung der chinesischen Reichsgeographie »Tcheou-Li« (Par. 1851, 2 Bde.) Hervorhebung.
Ende Biot (1)
Weiter zu Seite 2.962: Biota = Pflanzengattung, s. Thuja.
(2) Biographisches Künstler-Lexikon, 1882 _ 39
Biot
(spr. bióh), Gustave, belg. Kupferstecher, geb. 1. Jan. 1833 zu Brüssel, Schüler von Calamatta, erhielt 1855 den großen römischen Preis und später mehrere Medaillen.
Unter seinen sehr geschätzten Stichen sind zu nennen: vlämische Bauern, nach Madou (mit Calamatta);
die Madonna della Scala, nach Correggio in Parma (1862);
der Triumph der Galatea, nach Raffael (1875);
der Spiegel, nach Czermak (1872), und Kaiser Franz Joseph von Österreich, nach Angeli (1873).
Ende Biot (2)
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 2. Band: Atlantis - Blatthornkäfer, Seite 961; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/biot
Sie sind hier: Lexikon '88 > Meyers > Band 2 > Seite 2.961 > Biot