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| Dünkirchen | (franz. Dunkerque, spr. dong- oder döngkerk), Seestadt und Arrondissementshauptort im franz. / 763 |
Dünkirchen
* 3 Dünkirchen.
[* 3] (franz. Dunkerque, spr. dong- oder döngkerk), Seestadt und Arrondissementshauptort im franz. Departement Nord, an der Nordsee, von der sie durch eine Dünenreihe geschieden ist, 45 km nordöstlich von Calais, [* 4] der Themsemündung fast gegenüber in öder, sandiger Umgebung, durch Eisenbahnen mit Paris, [* 5] Calais und Furnes in Belgien [* 6] verbunden, wichtiger Handelshafen Frankreichs sowie Kriegsplatz erster Klasse. Der Hafen umfaßt einen Vorhafen und drei Bassins mit einer Ausdehnung [* 7] von 18 Hektar.
Die
Kais haben eine
Länge von 2570 m. Zur Verbesserung des
Hafens, welcher nach dem
Projekt 8 km
Kais erhalten
soll, werden nach dem
Gesetz vom Jahr 1879: 50 Mill.
Frank aufgewendet. Als Kriegsplatz ist Dünkirchen
sehr fest, sowohl durch seine
neuerrichteten Befestigungswerke als durch die große Leichtigkeit, mit der die Umgegend weithin (bis
Bergues) 1,5 m tief
unter
Wasser gesetzt werden kann. Dünkirchen
zerfällt in drei Teile: die eigentliche Stadt, reinlich, luftig
und belebt, Sitz des
Handels;
die Unterstadt, mit breiten, sich rechtwinkelig schneidenden Straßen, Sitz der Industrie, und die Citadelle (Docks und Entrepots), Wohnsitz der Arbeiter und Seeleute.
* 8 Mars.
Unter den öffentlichen
Plätzen sind hervorzuheben: das
gepflasterte
Champ de
Mars
[* 8] und der
Große Platz mit dem Denkmal des
Seemanns
Jean
Bart (dessen Vaterstadt Dünkirchen
ist)
von
David d'Angers;
unter den öffentlichen Gebäuden: das Rathaus (seit 1642), die St.-Eloikirche, die als Wallfahrtsort der Seeleute bekannte Kapelle Notre Dame des Dunes (1405 gegründet, 1815 neuerbaut), ferner der Belfried (60 m hoch, mit berühmtem Glockenspiel).
Die
Zahl der fast durchweg vlämischen Bewohner beträgt (1881) 37,307. Die Erwerbszweige
derselben sind:
Schiffbau und alles, was zur
Ausrüstung von
Schiffen gehört,
Leinen-,
Baumwoll- und Hanfspinnerei,
Gerberei,
Seifensiederei,
Zucker- und Salzraffinerie, Fabrikation von
Leberthran, Austernzucht und die im großen betriebene
Fischerei,
[* 9] die vorzugsweise Dünkirchen
reich gemacht hat. Jährlich gehen viele
Schiffe
[* 10] (1883: 122 mit 11,283
Ton. und einer
Bemannung von 1799
Personen) nach
Island,
[* 11]
Neufundland etc. auf den
Stockfisch- und Heringsfang. Das Ergebnis war 1883 über 5,5
Mill. kg
Stockfisch samt Nebenprodukten und 100,000 kg
Heringe. Die Bewohner selbst sind als die furchtlosesten Seeleute bekannt.
Dünkirchen
treibt einen bedeutenden
Handel. Im J. 1883 betrug die durch die Schifffahrt vermittelte Warenbewegung
1,555,409
Ton., wovon auf den internationalen
Handel 1,3 Mill. T. und zwar auf die Einfuhr 1,2 Mill.
T. im Wert von
¶
320,7 Mill. Fr. und auf die Ausfuhr 0,12 Mill. T. im Wert von 51 Mill. Fr. kamen. Hauptgegenstände der Einfuhr sind: Schafwolle, Melasse, Zink, Mehl, [* 13] Ölsaat, Salpeter, Flachs, Baumwolle [* 14] und Wein;
in der Ausfuhr: Zucker, [* 15] Wollwaren, Kohle, Branntwein etc. Der Schiffsverkehr belief sich 1883 auf 2647 eingelaufene (und ungefähr ebensoviel ausgelaufene) Schiffe mit 959,558 T.
Von Dünkirchen
gehen Dampfschiffe nach Havre,
[* 16] London,
[* 17] Hull,
[* 18] Southampton, Liverpool,
[* 19] Rotterdam,
[* 20] Hamburg
[* 21] und Petersburg.
[* 22] Bei der Stadt beginnt
der Dünkirchener
Kanal,
[* 23] der mit dem von Bourbourg und Bergues verbunden und bis Furnes geführt ist und die Stadt mit dem übrigen
nordfranzösisch-belgischen Kanalnetz in Verbindung setzt. Dünkirchen
ist der Sitz eines Handelsgerichts sowie
zahlreicher Konsulate (darunter eines deutschen) und hat ein Collège, eine Schiffahrtsschule, Gemäldesammlung, ein naturhistorisches
Museum und eine öffentliche Bibliothek sowie berühmte Seebäder.
Dünkirchen
war anfangs ein Dorf, das um eine vom heil. Eligius auf den Dünen erbaute Kapelle entstand und vom Grafen Balduin
von Flandern um 960 mit Mauern umgeben wurde. Der Ort war Jahrhunderte hindurch ein Gegenstand der Eifersucht zwischen Frankreich
und England und erlitt infolgedessen mannigfache Bedrängnis. 1388 wurde Dünkirchen zum erstenmal durch die Engländer verbrannt, darauf 1400 befestigt.
Mit der Grafschaft Flandern fiel es an das Haus Burgund, 1477 an Habsburg. 1558 wurde es von den Franzosen
erobert, die es im Frieden von Câteau-Cambrésis 1559 den Spaniern zurückgaben.
Die Stadt wurde seitdem der Zufluchtsort von Seeräubern, die den holländischen, englischen und französischen Handel arg belästigten. Der Prinz von Condé eroberte die Stadt 1646 nach siebentägiger Belagerung für die Franzosen, denen sie jedoch bald die Spanier wieder entrissen. Turenne nahm Dünkirchen 1658 von neuem und zwar nach dem Sieg in den Dünen, wo die Dünkirchen belagernden Franzosen (unter Ludwig XIV.) und Engländer (unter Lord Lockhardt) das spanische zum Entsatz anrückende Heer 14. Juni schlugen.
Zufolge geschlossenen Vertrags erhielten es darauf die Engländer, denen es Ludwig XIV. 1662 um 5 Mill. Fr. wieder abkaufte. Am 23. Juni 1666 schlugen auf der Höhe von Dünkirchen die Holländer unter Ruyter die Engländer unter Work zur See. Infolge des Utrechter Friedens 1713 mußten die von Ludwig XIV. prächtig aufgeführten Festungswerke geschleift und der Hafen gefüllt werden, bis endlich der Versailler Friede von 1783 die Wiederherstellung der Werke wie des Hafens gestattete. Die Belagerung der Stadt, welche der Herzog von York mit einer englisch-holländischen Armee im Sommer 1793 unternahm, mußte nach der Schlacht bei Hondschoote (8. Sept.) aufgehoben werden.
Vgl. Derode, Histoire de Dunkerque (1852).
Ende Dünkirchen
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 5. Band: Distanzgeschäft - Faidherbe, Seite 224; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/duenkirchen
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