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| Knospe | bei den Tieren dasjenige Stück des elterlichen Körpers, aus welchem auf ungeschlechtlichem / 843 |
Knospe,
bei den
Tieren dasjenige
Stück des elterlichen
Körpers, aus welchem auf ungeschlechtlichem Weg ein neues
Individuum
heranwächst und entweder zeitlebens mit dem elterlichen
Tier in Zusammenhang bleibt, oder sich erst später
von ihm loslöst. Im
Gegensatz zum
Ei,
[* 2] welches stets eine einzige
Zelle
[* 3] darstellt, besteht die Knospe
aus mehreren
Zellen und zwar
sowohl aus solchen der Hautschicht
(Ektoderm) als auch aus denen der Darmschicht
(Entoderm), hat also die
wichtigsten Körperschichten (vgl.
Keimblätter) bereits in sich, während sie im
Ei sich erst neu bilden müssen.
Die
Fortpflanzung durch Knospen
, die
Knospung, ist eine
Abart der ungeschlechtlichen
Fortpflanzung durch
Teilung (bei der das
Individuum in zwei unter sich gleich große zerfällt) und
Sprossung (bei der ein kleineres und ein größeres
Individuum entstehen). Sie findet sich nur bei niedern
Tieren allgemein verbreitet vor, z. B. bei den
Schwämmen und
Polypen,
und führt hier sehr oft zur
Bildung von umfangreichen
Kolonien (z. B. bei den
Korallen);
[* 4] auch braucht nicht immer das
Junge
dem elterlichen
Tier zu gleichen (z. B. festsitzende
Hydroidpolypen erzeugen durch
Knospung frei schwimmende
Quallen).
* 6 Stengel.
In der
Botanik ist Knospe
(Auge,
[* 5]
Gemma) der jugendliche Zustand eines
Sprosses, in welchem die Stengelglieder desselben noch ganz
kurz,
die an denselben befindlichen
Blätter daher noch dicht zusammengedrängt und in ihrer
Entwickelung ebenfalls noch wenig
fortgeschritten sind. Jeder in der Fortbildung Begriffene
Sproß
(Stamm oder
Zweig) endigt daher in eine
Knospe
(Gipfel-,
Haupt-,
End- oder Terminalknospe
, G. terminalis,
[* 1]
Fig. 1). Bei vielen
Pflanzen bilden sich aber auch an der Seite
des
Stengels und zwar in den
Achseln der
Blätter regelmäßig
Anlagen neuer
Sprosse (Seiten- oder Achselknospen
,
Gemmae laterales
s. axillares,
[* 1]
Fig. 2).
Ihre Verteilung am
Stengel
[* 6] ist lediglich durch die
Blattstellung
[* 7] bedingt, und das
Blatt,
[* 8] welches die Knospe
in seiner
Achsel trägt, heißt ihr Trag-,
Stütz- oder Mutterblatt.
Meistens steht nur eine einzige Knospe
in der Blattachsel, doch finden sich z. B.
bei
Lonicera noch eine oder mehrere unmittelbar über derselben; diese nennt man Neben- oder Beiknospen
(Gemmae
accessoriae). Die Achselknospen bedingen die normale Verzweigung des
Stengels, weil jede zu einem neuen
Zweig erwächst; darum
ist auch die
Stellung der
Zweige von der
Blattstellung des Muttersprosses abhängig, und darum bleiben
Stämme, welche keine
Seitenknospen entwickeln, auch unverzweigt
(Palmen,
[* 9]
Baumfarne). Anderseits schlägt auch bei manchen
Pflanzen regelmäßig die
Gipfelknospe fehl, und es übernimmt die zunächst darunterstehende Seitenknospe, die dann leicht mit
einer wahren Endknospe verwechselt werden kann, die Fortsetzung des
Zweigs. Dies kommt besonders bei
Holzgewächsen
(Linde,
Ulme,
Hainbuche,
Haselnuß) vor; bei
Syringa
[* 1]
(Fig. 2) endigt der gipfelknospenlose
Zweig mit zwei gegenständigen Seitenknospen.
* 10 Blüte.
Eigentliche Gipfelknospen haben z. B. Eiche, Roßkastanie, Pappel, Ahorn [* 1] (Fig. l), die Obstbäume. Je nach der Art des Sprosses, zu welchem sich eine Knospe entwickelt, unterscheidet man: Blattknospen (Gemmae foliiparae), wenn sie zu einem nur mit Blättern versehenen Sproß werden, Tragknospen oder Fruchtaugen (Gemmae floriparae), wenn sie einen blütentragenden Sproß hervorbringen, endlich Blütenknospen (Gemmae florales s. Alabastra), welche die noch unentfaltete Blüte [* 10] selbst darstellen.
Bei allen Seitenknospen entsteht der Vegetationspunkt an der Oberfläche des Muttersprosses und zwar schon in der frühsten Periode, kurz nach oder fast gleichzeitig mit der Anlage des Trugblattes, wenngleich die vollständige Erstarkung der Knospe in ein späteres Alter des Sprosses fällt. Die sogen. zufälligen oder Adventivknospen (Gemmae adventitiae) bilden sich dagegen immer nur an schon entwickelten, oft ganz alten Pflanzenteilen, sind in ihrer Stellung ganz regellos, indem sie bald mehr zerstreut, bald haufenweise zum Vorschein kommen, wie besonders an ältern Baumstämmen (Stockausschlag), und entstehen dann stets im Innern und zwar in der Kambiumschicht, so daß sie also die Rinde durchbrechen. Sie treten auch an den obersten, horizontal an der Bodenoberfläche hinlaufenden Wurzeln auf und bedingen dann einen Wurzelausschlag (Pappeln, Sauerkirschen und auch bei manchen krautigen Pflanzen,
[* 1] ^[Abb.: Fig. 1. Gipfelknospen (Ahorn).
Fig. 2. Seitenknospen (Syringa).
Fig. 3. Inneres der Knospe.] ¶
wie Taraxacum, Sonchus u. a.); sogar auf Blättern entstehen sie bisweilen, besonders wenn dieselben in feuchte Erde gesteckt werden, wie bei den Begonien, den Hyazinthenblättern u. a., oder auch an nicht abgelösten Blättern, wie bei Cardamine. An jeder Knospe unterscheidet man die Knospenachse, d. h. den noch ganz verkürzten Stengelteil, und die an dieser sitzenden, noch dicht aufeinander liegenden Blattorgane [* 11] (Fig. 3). Bei den Winterknospen unsrer Holzgewächse sind die letztern meist schuppenförmig, von mehr oder minder lederartiger Beschaffenheit und meist dunkler Farbe.
Sie bedecken meist die Knospe vollständig und gewähren den zartern innern Teilen einen Schutz gegen die Einflüsse der winterlichen Witterung (Knospendecken, Tegumenta; Knospenschuppen, Squamae s. Perulae); nach innen gehen sie in der Gestalt und Ausbildung allmählich in die Laubblätter über, welche in der Knospe schon angelegt sind. Knospen, welche keine Knospendecken besitzen und nur von den äußersten Laubblättern bedeckt sind, heißen nackte (Gemma nuda), z. B. bei Cornus sanguinea, Viburnum lantana, Rhamnus frangula.
Häufig sind die äußern Blattorgane der Knospe mit einem Überzug bekleidet, durch welchen der Schutz vor äußern Einflüssen erhöht wird. So finden sich Haarbildungen (Gemma pubescens), noch häufiger ein klebriges, aus Harz oder Harz und Gummi bestehendes Sekret, welches die Knospenschuppen miteinander verklebt und sie überzieht (G. glutinosa). Sowohl die Art, wie sich die Blätter der Knospe gegenseitig decken (Deckung, Follatio), als auch die Lage des einzelnen Blattes in der Knospe (Knospenlage, Vernatio) zeigen wichtige Eigentümlichkeiten.
Ende Knospe
→Seite 9.888: Knospenkapitäl =s. Knollenkapitäl.
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 9. Band: Irideen - Königsgrün, Seite 887; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/knospe
x.
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