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| Kockelskörner | s. Anamirta. / 3 |
| Kockelskörner _2 | (Fischkörner, Läusekörner, Tollkörner, fructus oder semen Cocculi); dieselben sind bei uns / 350 |
Kockelskörner
353 Wörter, 2'587 Zeichen
Technologie, Gewerbe und Industrie — Waarenkunde — Droguen vegetabilischen Ursprungs
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 9
Ende Kockelskörner (1)
→Seite 9.910: Köcken =s. Koppen der Pferde.
(2) Merck`s Warenlexikon, 1884 _ 21
Kockelskörner
(Fischkörner, Läusekörner, Tollkörner, fructus oder semen Cocculi); dieselben sind bei uns keine kurshabende, sondern eine im Kleinhandel verbotene Ware, weil sie nur zu misbräuchlichen Verwendungen dienen, gehören aber in die Warenkunde schon deshalb, weil Jedermann den Namen vom Hörensagen kennt. Diese ¶
Früchte kommen von einem in Ostindien, besonders auf Malabar und den Inseln Java, Sumatra, Ceylon als Kletterpflanze wachsenden Strauche, Menispermum Cocculus oder Anamirta C. (Wight et Arn.), an welchen sie zu mehreren Hunderten in eine Traube vereint wachsen. Frisch sind sie purpurrot und fleischig, getrocknet schwärzlich braun, runzlig, etwas größer als Erbsen, an der Anheftungsstelle eingedrückt, daher etwas nierenförmig gestaltet. Sie haben unter der Oberhaut eine hellbräunliche, holzige, zerbrechliche Schale, welche einen einzelnen halbrunden, auf dem Querschnitt halbmondförmigen Samen enthält, der den Hohlraum nur teilweise ausfüllt. Diese an fettem Öl sehr reichen Kerne enthalten außerdem einen eigentümlichen, sehr bittern und narkotischen Giftstoff, das Pikrotoxin, während das nicht giftige Fruchtgehäuse Menispermin und Paramenispermin enthält. Die Samen und noch mehr das isolierte Gift bewirken innerlich genommen Ohnmacht, Zittern, Schwindel und Konvulsionen.
In frühern Zeiten wurden die Körner verwendet zur Vertilgung von Ungeziefer, namentlich zu Läusepulvern und Salben, und haben daher den Beinamen Läusekörner erhalten. Da sie aber hierin nicht unersetzlich und außerdem nur zu misbräuchlicher Verwendung dienen, so ist der Handel damit, wenigstens der Handverkauf, jetzt wohl überall verboten, wo Medizinalpolizei geübt wird. Man hat sie zum Fischfang und als Zusatz zum Bier gebraucht, um dasselbe bitter und berauschend zu machen.
Letztere höchst verwerfliche Prozedur ist wohl in Deutschland niemals vorgekommen, doch aber in England und noch mehr in Rußland, wo sie noch jetzt in Übung sein soll (?), ebenso wie der Gebrauch der Körner als Fischköder, der bei uns ebenfalls strafbar ist. Das Verfahren dabei ist wohl gewöhnlich so, daß aus den gestoßenen Körnern mit frischer Brotkrume Kügelchen gebildet und aufs Wasser geworfen werden. Die Fische, welche diesen Köder einschlucken, werden rasch betäubt und schwimmen an der Oberfläche, wo sie mit Händen zu greifen sind. Solche vergiftete Tiere können natürlich dem Genießenden selbst schädlich werden, selbst dann, wenn man sie, wie es Praxis ist, möglichst rasch tötet und ausnimmt. – Zollfrei.
Ende Kockelskörner (2)
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 9. Band: Irideen - Königsgrün, Seite 910; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/kockelskoerner
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