Pfad: eLexikon > Meyers > Band 9 > Seite 9.1012 > Koniferen | -A. A. A+

Meyers Konversations-Lexikon, 1888

Kongsberg - Koniferen

Elemente zu Koniferen:

1) Die Eibengewächse (Taxineae, Fig. 1) haben wechselständige

Koniferen

[* 3] (Zapfenbäume, Zapfenträger, Nadelhölzer, [* 4] Coniferae, Acerosae), Ordnung der Gymnospermen, Sträucher und Bäume mit gegen- oder wechselständigen, einfachen, ungeteilten, bald höckerförmig kleinschuppigen, bald nadelartig langen und schmalen, bald mehr blattartigen und auch dann meist linealischen, seltener breitern, meist immergrünen Blättern (sogen. Nadeln) [* 5] ohne Nebenblätter, meist mit stark entwickeltem, herablaufendem Blattkissen.

Manche haben keinen Wechsel von Laub- und Niederblättern, sie besitzen nackte Knospen; [* 6] andre dagegen erzeugen am Schluß jeder Vegetationsperiode wirkliche Knospenschuppen von nicht grüner, sondern trockner, häutiger Beschaffenheit, welche die Knospen bedecken. Bei einigen sitzen die Nadeln nicht unmittelbar am Zweig, sondern dieser ist mit lauter nicht grünen, schuppigen Niederblättern besetzt, in deren Achseln kurze Zweiglein stehen, welche am Grund von häutigen Schuppen umgeben sind, an ihrer Spitze sich nicht weiterbilden, sondern zwei oder mehrere auf gleicher Höhe büschelig stehende Nadeln tragen.

Viele Koniferen haben eine ununterbrochen fortwachsende Hauptachse; sie bilden einen gerade aufrechten, nach der Spitze zu dünner werdenden Stamm, von welchem die Äste meist sehr schief oder wagerecht abgehen und dann häufig quirlständig in Absätzen übereinander stehen. Es bilden sich nämlich jedes Jahr unterhalb der Endknospe Seitenknospen, die nahezu auf gleicher Höhe stehen und im nächsten Jahr zu Ästen auswachsen, so daß sich aus der Zahl der Astquirle das Alter einer Stammstelle bestimmen läßt, wie z. B. bei Tannen, Fichten und Kiefern.

Bei manchen Arten ist aber dieser eigentümliche regelmäßige Wuchs minder ausgeprägt. Der Stamm der Koniferen besitzt anfangs immer einen Kreis [* 7] von Fibrovasalsträngen, welche als Blattspuren meist einzeln in je ein Blatt [* 8] austreten. Sie verbinden sich im Stamm durch einen geschlossenen Kambiumring, welcher das dauernde Dickewachstum, wie bei den dikotylen Bäumen, vermittelt. Der Holzkörper, der hierdurch erzeugt wird, besteht aber nur in der Markscheide aus engen Spiralgefäßen, im übrigen lediglich aus einander gleichen Zellen (Tracheiden), welche auf den gegen die Markstrahlen gekehrten Wänden große, behöfte Tüpfel zeigen; außerdem findet sich bisweilen Holzparenchym, dessen Zellen den gleichen Durchmesser wie die Holzzellen haben.

Schmale Markstrahlen durchziehen den Holzkörper in radialer Richtung; die Jahresringe sind scharf abgegrenzt. Die Gefäße aber fehlen, und so erscheint das Nadelholz auf dem Querschnitt homogen, während alles Laubholz entweder schon dem bloßen oder dem mit der Lupe [* 9] bewaffneten Auge [* 10] in seiner Masse größere Poren erkennen läßt, die von den weiten Gefäßen, die es besitzt, herrühren. Sehr verbreitet unter den Koniferen sind öl- und harzführende Intercellularkanäle, welche sich bald in der Rinde und im Parenchym der Blätter, bald im Bast, [* 11] bald auch im Holz [* 12] finden; massenhafte Harzproduktion, die bei den Koniferen auch häufig vorkommt, hat aber ihren Grund in einer krankhaften Desorganisation ganzer Gewebe, [* 13] zumal im Holz und Bast, wobei die festen Bestandteile derselben verschwinden und Harz an ihre Stelle tritt, welches dann auch oft an der Oberfläche der Stämme zum Erguß kommt.

Die Blüten setzen sich aus einer meist großen Anzahl gleichartiger Blattorgane zusammen, welche in der Regel in spiraliger Anordnung auf einer Achse befestigt sind. Es gibt nämlich allgemein diklinische Blüten und zwar meistens einhäusige, bei mehreren Arten aber auch zweihäusige. Die männlichen Blüten treten als besondere Knospen in den Achseln der Blätter auf, sie haben am Grund mehrere Knospenschuppen, und auf diese folgen unmittelbar in mehr oder minder großer Anzahl und in dichter Stellung Blätter, die sämtlich als Staubgefäße [* 14] ausgebildet sind, ein kleines Köpfchen, Ährchen oder Träubchen nachahmend.

Form der Staubgefäße und Anzahl ihrer Antherenfächer ist nach den Familien und Gattungen verschieden. Die weiblichen Blüten sind ebenfalls besondere Seitenknospen und stellen meistens einen Zapfen [* 15] (conus) dar. Dieser besteht aus flachen, schuppenartigen Blättern, den sogen. Fruchtschuppen (squamae), welche an einer Achse in dichter, spiraliger Anordnung stehen, jede in der Regel von einem Deckblättchen (bractea) am Grund gestützt. Auf diesen Fruchtschuppen sitzen unmittelbar die Samenknospen, und zwar nehmen dieselben den Grund derselben ein, so daß entweder dort eine größere Anzahl oder nur je eine rechts und links vorhanden sind.

Die Samenknospen sind gerade und haben ein einfaches Integument; über die Eigentümlichkeiten ihres innern Baues und ihrer Befruchtung [* 16] vgl. Gymnospermen. Seine volle Ausbildung erreicht der Zapfen gegen die Zeit der Samenreife. Achse und Fruchtschuppen vergrößern sich beträchtlich und werden holzig, seltener beerenartig weich; im letztern Fall bildet der reife Zapfen einen beerenähnlichen Körper. Der reife Same besitzt eine holzige Schale, die oft einen langen, hautartigen Flügel trägt, und enthält ein mit fettem Öl erfülltes

Fortsetzung Koniferen:

→Seite 9.1013: Koniferen =dosperm, in dessen Achse der gerade Keimling mit zwei oder mehreren quirlständigen Kotyledonen und nach oben gekehrtem Würzelchen liegt.

Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.

Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 9. Band: Irideen - Königsgrün, Seite 1012; .

http://www.peter-hug.ch/lexikon/koniferen?q=koniferen