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| List | # die Geschicklichkeit, seine Zwecke durch sorgfältig versteckte Mittel zu erreichen, ist / 44 |
| List _2 | # Friedrich, deutscher Nationalökonom, geb. 6. Aug. 1789 zu Reutlingen, arbeitete sich vom / 599 |
| List _3 | # bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Martin Lister (s. d. 1). / 10 |
List,
die Geschicklichkeit, seine
Zwecke durch sorgfältig versteckte
Mittel zu erreichen, ist dann zu rechtfertigen,
wenn sie durch erlaubte
Mittel einen erlauben
Zweck, keineswegs aber, wenn sie einen erlaubten
Zweck durch unerlaubte
Mittel
(Hinterlist
) oder einen unerlaubten
Zweck durch unerlaubte
Mittel
(Arglist) herbeizuführen sucht.
List,
* 3 Tübingen.
Friedrich, deutscher Nationalökonom, geb. 6. Aug. 1789 zu Reutlingen, [* 2] arbeitete sich vom Schreiber bis zum Oberrevisor am Oberamt in Tübingen [* 3] empor, hörte seit 1816 noch akademische Vorlesungen und erhielt 1818 die dort neuerrichtete Professur für Staatskunde und Staatspraxis. Wegen seiner politischen Wirksamkeit in der Presse [* 4] von der Regierung zur Rechenschaft gezogen, legte er 1819 sein Amt nieder und nahm die Stelle eines Konsulenten des Deutschen Handelsvereins an, dessen Mitbegründer er gewesen war.
Von seiner Vaterstadt 1820 in die
Kammer gewählt, ward List
wegen einer lithographierten
Petition an die
Stände, welche eine
Reihe von Mißständen in
Verwaltung und
Rechtspflege rügte,
Februar 1821 seiner
Stellung als
Abgeordneter
enthoben und 6. April
1822 zu zehnmonatlicher
Festungsstrafe verurteilt. Er entfloh nach dem Elsaß, kehrte aber nach dritthalbjährigem
Aufenthalt daselbst und in der
Schweiz
[* 5] in die
Heimat zurück und trat seine
Haft auf dem
Asperg an. Nach einigen
Monaten
aber erhielt er (1825) auf sein Nachsuchen die Erlaubnis zur
Auswanderung nach
Amerika,
[* 6] wo er sich bei
Harrisburg ankaufte.
Er verfaßte für eine pennsylvanische
Gesellschaft die
Schrift »Outlines of a new system of political economy« (Philad.
1827), welche bereits die Grundzüge der in seinem spätern Hauptwerk entwickelten
Gedanken enthielt.
Nachdem er auf einem Ausflug in die
Blauen Berge
Pennsylvaniens ein
Kohlenlager entdeckt hatte, verband
er sich 1830 mit andern zur Ausbeutung desselben und behufs dieses
Zweckes zur
Gründung einer
Eisenbahn von
Tamaqua bis
Port
Clinton. Überhaupt entfaltete List
auf dem Gebiet des Eisenbahnwesens, dessen Bedeutung er schon frühzeitig
klar erkannte, eine ausgedehnte, insbesondere die planmäßige
Bildung ganzer Schienennetze erstrebende
Thätigkeit. 1833 zum amerikanischen
Konsul in
Leipzig
[* 7] ernannt, rief er hier unter
Rottecks und
Welckers Redaktion das »Staatslexikon«
ins
Leben und wirkte durch die
¶
Presse, z. B. in der Schrift »Über ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems« (Leipz. 1833),
zunächst für das Projekt der Leipzig-Dresdener Eisenbahn. Gleichwohl vermochte er bei derselben keine Anstellung zu finden. 1837 begab er sich nach Paris, [* 9] von wo aus er sich an der »Allgemeinen Zeitung«, der »Deutschen Vierteljahrsschrift« etc. beteiligte. 1840 nach Stuttgart [* 10] zurückgekehrt, arbeitete er, jedoch ohne Erfolg, gemeinschaftlich mit Joseph Meyer in Hildburghausen [* 11] für Ausbau einer Eisenbahn von Nürnberg [* 12] über Bamberg, [* 13] Hildburghausen, Kassel [* 14] nach den Hansestädten. In Augsburg, [* 15] wohin er 1842 übersiedelte, schrieb er »Das nationale System der politischen Ökonomie« (Stuttg. 1841, Bd. 1; 7. Aufl. von Eheberg, 1884). In derselben setzte er der Ad. Smithschen Lehre, [* 16] nach welcher möglichst viel Tauschwerte erzielt werden müßten, seine Theorie der produktiven Kräfte entgegen, nach welcher jedes Volk in erster Linie seine eignen Kräfte zu heben habe, wenn auch zunächst mit Verzichtleistung auf Gewinn an Tauschwerten.
* 17 Württemberg.
Auf diesem Gedanken baute er seine Forderung des Zollschutzes für eine junge, noch aufstrebende Industrie auf. Anfang 1843 begründete er sein »Zollvereinsblatt«, in welchem er den Krieg gegen den Freihandel fortsetzte. Vergeblich bewarb er sich in Württemberg, [* 17] wo er endlich vollständig amnestiert worden war, in Bayern [* 18] sowie in Wien, [* 19] wo er 1844–45 verweilte, um eine Anstellung; auch eine 1846 nach England unternommene Reise, um den in seiner Denkschrift über eine Allianz zwischen Großbritannien [* 20] und Deutschland [* 21] entwickelten Gedanken praktisch zu verfolgen, blieb ohne Ergebnis.
Tief verstimmt und körperlich leidend, suchte er auf einer Alpenreise Erholung, kam aber nur bis Kufstein, wo er 30. Nov.
1846 seinem
Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende machte. Lange entschieden bekämpft, hat List
als Verfechter des Protektionssystems
in der neuern Zeit, als seine Ausführungen praktisch verwertet werden konnten, allgemeine Anerkennung gefunden. Seine »Gesammelten
Schriften« nebst seiner Biographie hat Häusser aus seinem Nachlaß herausgegeben (Stuttg. 1850–51).
Vgl. Goldschmidt, Fr.
List
, Deutschlands
[* 22] großer Volkswirt (Berl. 1878);
»Fr. List
, ein Vorläufer und ein Opfer für das Vaterland« (2. Aufl., Stuttg.
1877, anonym).
Ende List
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 10. Band: Königshofen - Luzon, Seite 830; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/list
x.
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