(Bisam), das
Sekret, welches von dem männlichen
Moschustier (s. d.) in einem besondern
Beutel
[* 2] abgesondert wird. Man unterscheidet im
Handel tongkinesischen (tibetischen, orientalischen) als besten, ferner kabardinischen
(russischen, sibirischen), bengalischen und bucharischen Moschus; auch kommt die aus den
Beuteln genommene Moschussubstanz (Moschus ex
vesicis) für sich allein in den
Handel; aber alle
Sorten unterliegen oft arger
Verfälschung. Der Moschus bildet eine anfangs salbenartige,
später krümelige, körnige, braune, fettglänzende
Masse von bitterlichem
Geschmack und eigentümlichem, höchst durchdringendem
und lange haftendem
Geruch, welcher beim
Trocknen der
Substanz fast verschwindet, beim Befeuchten aber allmählich wieder stärker
hervortritt und vielleicht auf einer eigentümlichen Selbstentmischung der
Substanz beruht.
Moschusblume - Moscisk
* 3 Seite 11.822.
Auch beim Zusammenreiben mit schwefelsauren und andern
Metallsalzen, mit Sulfuraurat,
Kampfer,
Mutterkorn,
Emulsionen etc. tritt der
Geruch sehr zurück, doch nicht immer. Minimale
Mengen von salzsaurem oder schwefelsaurem
Chinin sollen
den
Geruch des Moschus völlig unterdrücken. An
Wasser gibt Moschus 40–50, an
Alkohol 8–10 Proz. lösliche
Stoffe ab. Moschus gehört zu den
flüchtigen Erregungsmitteln. Er steigert die
Respiration,
Zirkulation, Hautthätigkeit, Harnabsonderung;
man gibt ihn als
¶
Arzneimittel bei typhösen und anomalen Fiebern, Starrkrampf, Keuchhusten, Konvulsionen, Hysterie, Neurosen etc. Die Chinesen benutzen
den Moschus seit alter Zeit, zu uns kam er erst durch die Araber; gegenwärtig wird er namentlich zu Parfümen verwendet,
in welchen er sich stets dadurch verrät, daß sein Geruch unverkennbar zurückbleibt, wenn alle ätherischen
Öle verdunstet sind. – Moschusgeruch findet sich, zum Teil an Drüsensekrete gebunden, noch beim Fleisch des Moschusochsen,
beim Bisamschwein (Pekari), bei der Moschusratte, Bisamspitzmaus, beim Ameisenfresser, bei der türkischen Ente, bei dem Ei
[* 4] des
Gänsegeiers, dem Alligator, bei den Schildkröten
[* 5] (mit Ausnahme der Landschildkröten), dem Moschusbock (Käfer),
[* 6] dem Moschuspolyp
(Kopffüßer) und bei einer Schnecke (Fasciolaria trapezium), deren Deckel (Bisamnagel) früher als Räuchermittel
diente, ferner bei der Sumbulwurzel, bei Mimulus moschatus, Malva moschata, Adoxa moschatellina, zwei Ritterspornarten vom Himalaja,
sehr schwach bisweilen bei der weißen Rübe etc. –
auch hat man durch Behandeln von Bernsteinöl mit Salpetersäure ein
moschusartig riechendes Harz gewonnen. Jetzt hat aber Bauer
ein nitriertes Butyltoluol dargestellt, welches so stark und rein nach Moschus riecht, daß es
als Surrogat des letztern angewandt werden kann. Man erhält diesen Körper, indem man Toluol unter Zusatz von Aluminiumchlorid
mit Butylchlorid kocht, aus dem Produkt durch fraktionierte Destillation
[* 7] den bei 170–180° siedenden Teil abscheidet und mit
konzentrierter Salpetersäure unter Zusatz von Schwefelsäure
[* 8] behandelt. Durch Waschen mit Wasser und Umkristallisieren
aus Alkohol erhält man die Verbindung in gelblichweißen Kristallen.
Bei Einwirkung konzentrierter Salpetersäure auf organische Substanzen, bei der Bildung der Nitroverbindungen,
tritt häufig Moschusgeruch auf. Kocht man nun nach Bauer Toluol C7H8 mit einer Halogenverbindung des Butans
C4H9Cl unter Zusatz von Aluminiumchlorid, so entsteht Chlorwasserstoff
[* 9] HCl und Butyltoluol C7H7
. C4H9 , welches mit einem Gemisch von konzentrierter Schwefelsäure und Salpetersäure ein
Nitroprodukt liefert.
Moskau - Müller
* 11 Seite 18.642.
Dies bildet weiße glänzende Kristalle
[* 10] mit merkwürdig starkem und andauerndem Moschusgeruch. Eine einprozentige alkoholische
Lösung zeigt diesen Geruch nicht, der aber bei Verdünnung mit Wasser alsbald sehr stark hervortritt und
bis zu einer Verdünnung von 1:3000 an Intensität zuzunehmen scheint. Bei Lösungen von 1:5000 ist der Geruch noch deutlich
wahrzunehmen, auch Lösungen von 1:720,000 besitzen noch einen bemerkenswerten Geruch, doch ist derselbe nicht mit Sicherheit
als Moschusgeruch zu erkennen. Der
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Geruch der Lösung von 1:3000 kann durch Kochen mit Ätznatronlösung noch bedeutend verstärkt werden, und dies Verhalten ist
für die Verwendung der Substanz zum Parfümieren von Seife äußerst wertvoll. Auch sonst dürfte dieselbe als ein gutes Surrogat
des Moschus zu betrachten sein, wenngleich geübte Parfümeure im stande sind, den natürlichen
vom künstlichen Moschus zu unterscheiden.
(Bisam). Dieser durch seinen starken, fast unerschöpflichen Geruch wohl Jedermann bekannte Körper ist die
Ausscheidung eines zierlichen, rehartigen, aber geweihlosen Wiederkäuers, von dem es 13 verschiedne Arten gibt, die jedoch
nicht alle M. liefern. Die den M. gebenden Arten leben in den Hochgebirgen des östlichen Asiens, im
Himalaya, in Thibet, Tonkin, Sibirien und der Tatarei in Nähe der Schneegrenze. Die Substanz wird beim männlichen Moschustier
in einem in der Haut des Unterleibes versteckten Beutelchen abgesondert, also unter gleichen Verhältnissen wie das Bibergeil
beim Biber, und ist wie dieses im frischen Zustande salbenartig.
Das
Tier ist nicht gezähmt, sondern wird in der Wildnis mit Schlingen oder Hunden gefangen oder auch geschossen, jedenfalls
aber sogleich getötet, der Beutel mit einem Stück Bauchhaut ausgeschnitten und an der Luft oder auf heißen Steinen getrocknet.
Der ursprünglich weiche rötlich braune Inhalt der Beutel wird dabei schwarzbraun und nimmt die Form
kleiner rundlicher Körner an, die auf Papier einen braunen Strich geben und sich leicht zu Pulver reiben lassen. Aus den
Ursprungsländern kommt der M. noch in ganzen Beuteln von der Gestalt einer halben Walnuß, bis zu 4½ cm lang.
Die flache kahle Seite ist die innere, welche am Körper des Tieres anlag; die äußere gewölbte ist
noch mit ihrer gelbgrauen groben Behaarung versehen, die öfter durch Beschneiden eingekürzt ist. An einer Stelle der konvexen
Seite stehen die Haare in Form eines Wirbels um einen Punkt; es mündet da der enge Ausführungskanal, durch welchen das
Tier den M. von sich geben kann, der ihm wahrscheinlich zur Anlockung der Weibchen dient. Die Masse eines frisch geöffneten
Beutels riecht am penetrantesten nicht nur wegen der Menge des Riechstoffs, sondern auch weil sich ammoniakalische Gerüche
beimischen, die sich später verlieren, wonach der Hauptgeruch reiner hervortritt. –
Im Handel erscheinen besonders zwei Sorten von Moschusbeuteln: tonkinesischer (chinesischer, thibetanischer)
und kabardinischer (russischer, sibirischer). Die erstere kommt aus China und stammt von M. moschiferus und besteht aus kleinern
Beuteln, die andre wird von den Russen herangebracht und von M. sibiricus, einer andern Art des Moschustieres geliefert; es
sind größere Beutel. Einiges von geringerer Güte kommt in neurer Zeit auch aus Bengalen nach England
und wird von den im Himalaya lebenden Tieren erhalten; es ist dies der bengalische oder Assam-Moschus; die Beutel sind noch größer,
als die der kabardinischen Sorte und kreisrund, die Ware riecht stark, aber weniger fein.
Moschus - Mühlsteine
* 13 Seite 21.363.
Die chinesische ist die beste und geruchreichste Sorte und sie allein ist zum pharmazeutischen Gebrauch
gestattet. Ihr Preis mit den Beuteln ist etwa 260 Mk. pro 100 g, und dabei haben die Einkäufer sich
gerade bei dieser teuern Sorte vor Übervorteilungen durch chinesische Verfälschungskünste sehr in acht zu nehmen. Beutel
an denen sich eine künstliche versteckte Naht auffinden läßt, verraten dadurch eine stattgehabte Fälschung,
sei es daß vom Inhalt etwas herausgenommen und durch fremde Stoffe ersetzt ist, oder daß nur beschwerende Körper, Steinchen,
Schrotkörner u. dgl. hineingebracht worden sind.
Die Chinesen sind aber so große Meister in diesen künstlichen Präparationen, daß das geübteste Auge
nichts entdeckt und erst die Öffnung der Beutel den wahren Zustand zeigt; 5–10% gefälschte Beutel können bei jeder Sendung
vorkommen. Ein gewöhnliches Füllmittel soll das getrocknete Blut des Moschustieres selbst sein, das also schon von den
Gebirgsjägern hineingebracht sein müßte; solche Beutel sind dann ungewöhnlich voll und dick.
¶
In andern Fällen ist die falsche Untermischung eine dunkelfarbige, zerreibliche Erde, die durchs Gefühl zu erkennen ist,
weil dann die Masse sich zwischen den Fingern nicht mehr sanft und seifenähnlich, sondern rauh und bröcklich anfühlt,
härter und auch schwerer ist als im naturellen Zustande. Die Beutel dieser Sorte sind mehr rund als
oval, flachgedrückt und 3–4 cm im Durchmesser; die flache Seite ist schwarzgrau, die Haare auf der gewölbten Seite sind
nach dem Rande zu gelbbraun, gegen die Mitte hin mehr gelblich mit bräunlichen Spitzen.
Die Hauptausfuhr des tonkinschen oder orientalischen M. hat Canton (jährlich ca. 1200 Caddies,
à 1⅓ Pfd. englisch) von wo die Ware nach England geht, woher sich die andern
Länder versorgen. Die Originalpackung der Ware sind länglich viereckige Kästchen von etwa 20 cm Länge, 9–11 cm Breite
und fast gleicher Höhe, welche innen mit Bleifolie gefüttert, außen mit starkem Seidenstoff überzogen sind. In jedem
Kästchen liegen etwa 25 Beutel, deren jeder in zartes, mit chinesischen Bildern und Zeichen bedrucktes
Papier gewickelt ist.
Die russische Sorte ist in der Regel frischer mit noch weichem Inhalt; sie kommt vom Altaigebirge in der Tatarei, konzentriert
sich auf der großen, im Februar jedes Jahres abgehaltene Messe zu Irbit bei Jekatarinenburg, um von
da teils nach China, teils über Moskau und Petersburg nach England, Deutschland etc. zu gehen. Die jährliche
Sendung nach dem Westen beträgt etwa 250 kg oder 10–12000 Beutel. Diese nur zu Parfümeriezwecken verwendete, drei- bis
viermal wohlfeilere Ware besteht aus größern und mehr länglich ovalen Beuteln, auf der unteren unbehaarten
Seite schmutzig gelbbraun und gerunzelt; die Haare auf der obern Seite, gewöhnlich kurz geschnitten, sind grau mit weißen
Spitzen. Diese Sorte ist verpackt in verlöteten Blechkisten von 2–6 kg Inhalt, die wieder in Holzkisten eingesetzt sind.
Der Assammoschus kommt in Säcken verpackt, die in Holz- oder Blechkisten eingeschlossen sind; eine solche
Kiste enthält durchnittlich ^[richtig: durchschnittlich] 200 Beutel.
Seit einigen Jahren ist eine neue Art chinesischer Moschus unter dem Namen Yunan-Moschus, nach der gleichnamigen chinesischen
Provinz benannt, im Handel; die Beutel sind fast kugelrund, glatt, unbehaart und sehr dickhäutig, der Inhalt ist gelblichbraun
mit einem Stich ins Rötliche und von sehr feinem Geruch. Von diesem Yunanmoschus ist vor einigen Jahren
wieder eine neue Gattung mit sehr dünnen Beuteln, ganz ohne Haut, in Schanghai auf dem Markt gekommen, welche von den Chinesen
Tanp'i genannt wird; dieselbe soll zu zwei Dritteil aus gutem und zu einem Dritteil aus gefälschten M. bestehen.
Im Handel zweiter Hand werden die Moschusbeutel nach Größe und Gestalt in verschiedne Qualitätsabstufungen sortiert und
demgemäß verschiedne Preise notiert.
Für den Gebrauch ist der Inhalt aus den Beuteln zu nehmen und von den feinen Härchen, mit denen er durchmengt ist, möglichst
zu befreien. Die Klümpchen oder das grobe Pulver sind dann sogleich in kleine Gläser mit sehr dichtem
Verschluß zu fassen. Solcher ausgenommene M. (M. exvesicatus)
kann auch schon von größern Droguenhandlungen außer Beuteln
bezogen werden, in Klümpchen wie Pulverform. Abnehmer kleinerer Mengen werden sich natürlich lieber mit dieser Art Ware
versorgen, wobei sie das an geschlossenen Beuteln haftende Risiko vermeiden. Von dem Gewicht der Beutel
fällt etwa je die Hälfte auf Inhalt und Häute. Letztere, die entleerten Beutel, bilden auch einen Handelsartikel für sich
und werden von den Parfümeuren zur Bereitung einer geringeren Qualität von Moschustinktur gekauft. –
Der Moschusgeruch ist keineswegs selten, sondern findet sich an mancherlei Pflanzen und Tieren, namentlich
vom Mäusegeschlecht wieder. In den heimatlichen Gebirgen des Moschustieres wächst eine oder zwei Arten von Rittersporn
(Delphinium) mit so starkem Moschusgeruch, daß die Eingebornen glauben, daß das Tier seinen Riechstoff durch das Verzehren
solcher Pflanzen erhalte. Der vom Tiere selbst kommende M. enthält verschiedne unwesentliche Bestandteile
und löst sich in Wasser und Weingeist nur etwa zur Hälfte auf.
Über die chemische Natur des eigentlichen Riechstoffs ist noch nichts Positives ermittelt. Derselbe ist so beharrlich und
gleichsam unvertilgbar, daß er innerlich genommen durch die Poren der Haut wieder herausdringt und den Patienten in eine
penetrante Moschusatmosphäre hüllt. Wird die Substanz lange unter Verschluß gehalten, so schläft
der Geruch gleichsam ein; er erwacht aber wieder in Berührung mit der Luft. Ebenso verschwindet der Geruch bei Aufbewahrung
in wächsernen Kapseln, in Berührung mit Kalk, Schwefel, sauren Metallsalzen, Schwefelmilch, Goldschwefel, Mandelsirup etc.,
wird aber in allen diesen Fällen durch Berührung mit Salmiakgeist wieder hergestellt.
Starker Moschusgeruch ist vielen Menschen widerwärtig; die Italiener im allgemeinen haben eine gewaltige Abneigung dagegen,
wie denn überhaupt das Parfümieren mit M. gegen die feinere Sitte verstößt. Dennoch aber spielt die Substanz in der Parfümerie
unter sachkundiger Verwendung eine ganz wichtige Rolle; sie wird nämlich einer Menge andrer Parfümerien
und Seifen zugesetzt, jedoch nur in so kleinen Anteilen, daß der Geruch nicht gesondert hervortritt, sondern im Gesamtgeruch
aufgeht. Er hat dann nur die Wirkung, diesen dauernder zu erhalten, ihn kräftiger und angenehmer zu machen. Zum Gebrauch
für Parfümeriezwecke dient Moschustinktur (tinctura moschi) erhalten durch längeres Macerieren von
M. in starkem Weingeist. –
Die medizinische Verwendung des M. richtet sich gegen krampfhafte Zustände, Keuchhusten, Hysterie, typhöse Fieber und wird
derselbe entweder in Tinktur oder in Pulverform mit Milchzucker oder Zuckersäften abgerieben in kleinen Gaben, jedoch früher
häufiger als jetzt verabreicht. – M. ist zollfrei; Moschustinktur gem. Tarif
im Anh. Nr. 5 a.