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| Schiefer | in der Geologie jedes in dünne Platten oder Blätter spaltbare Gestein. Man unterscheidet / 56 |
| Schiefer _2 | (frz. ardoise oder schiste; engl. slate). In der Gesteinskunde werden mit diesem Namen alle / 1067 |
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 14
Schiefer,
in der Geologie [* 2] jedes in dünne Platten oder Blätter spaltbare Gestein.
Man unterscheidet daher nach der nähern mineralogischen Beschaffenheit Quarz-, Talk-, Chlorit-, Kalk-, Mergel- etc. S. (vgl. Schieferung).
Als kristallinische S. werden Silikatgesteine bezeichnet, welche am Aufbau der ältesten Formationen einen wichtigen Anteil nehmen.
Vgl. Laurentische Formation [* 3] und Huronische Formation.
Bituminöser S., s. v. w. Blätterschiefer, Dysodil.
Ende Schiefer (1)
Weiter zu Seite 14.445: Schieferformation = s. Huronische Formation.
(2) Merck`s Warenlexikon, 1884 _ 21
Schiefer
(frz. ardoise oder schiste; engl. slate). In
der Gesteinskunde werden mit diesem Namen alle diejenigen Sedimentgesteine belegt, welche sich dadurch auszeichnen, daß
sie sich in mehr oder weniger dünne, annähernd ebne Platten spalten lassen. Da diese Eigenschaft viele
Gesteine zeigen, so hat man auch viele verschiedne Schiefer
sorten, wie z. B. Glimmerschiefer
,
Chloritschiefer
, Thonschiefer, Grauwackenschiefer, Kieselschiefer, Kupferschiefer, Mergelschiefer, Talkschiefer etc.
¶
Im Handel versteht man jedoch, wenn das Wort S. ohne jede nähere Bezeichnung gebraucht wird, diejenigen Sorten, welche sich
als Dachschiefer
oder Tafelschiefer eignen. Aber auch diese sind in ihrer Beschaffenheit nicht völlig gleich, indem sie
teils in der Mischung ihrer Bestandteile, teils durch kristallinische oder nicht kristallinische Struktur, feineres
oder gröberes Gefüge, verschiedne Grade der Spaltbarkeit, wie auch im Härtegrade etc. von
einander abweichen. Manche dieser S. lassen sich als erhärtete Thone betrachten, mehr oder weniger gemengt mit feinen Quarz-
und Glimmerteilchen und durch einen Gehalt von Kohlenstoff grau, graublau, schwarz etc. gefärbt.
Die im Handel vorkommenden Dach- und Tafelschiefer
gehören immer zur Gruppe der Thonschiefer und sind
teils kristallinische Urthonschiefer
, teils nicht kristallinische S. der Übergangsformation. Schiefergebirge gibt es weit
mehr als Schieferbrüche, denn die Masse findet sich sehr oft in unbrauchbarem Zustande, indem die Schichten entweder durch
Bodenbewegungen zu sehr verworfen und zerbrochen sind, sodaß sich nichts Ganzes gewinnen läßt, oder
die Masse ist in sich selbst zu grob oder zu locker und ermangelt der feinen Spaltbarkeit oder gibt wenigstens keine geraden
Tafeln.
Die Schieferbrüche sind nach Umständen entweder Tagbauten wie gewöhnliche Steinbrüche, oder werden unterirdisch wie Bergwerke betrieben. In beiden Fällen gibt es immer viel wildes Gestein zu bewältigen und wegzuschaffen, zwischen welchem der brauchbare S. in Schichten liegt. In Deutschland gibt es wie in England und Frankreich neben mittelmäßiger Masse örtlich auch sehr gute Qualitäten; englischer S. hat in Deutschland, wenigstens im Norden, Absatz, da die Wasserfracht von England dorthin weniger kostet als das Hinschaffen aus dem Binnenlande.
In Deutschland wird der beste S. im Thüringerwalde gefunden. Namentlich der aus den berühmten, seit Jahrhunderten betriebenen
Brüchen von Lehesten im Meiningenschen zeichnet sich durch Güte, Reinheit und Schönheit aus. Man gewinnt dort jährlich
über 300
000 Ztr. des besten Dach- und Tafelschiefers. Die Förderung geschieht hier durch
Tagebau, da die Schieferschichten in dem Zwischengestein schräg aufwärts gelehnt bis an die Oberfläche reichen. Der Abbau
geschieht stufenförmig; die Blöcke werden in möglichster Größe abgearbeitet und sogleich weiter auf den Spalthütten
in Arbeit genommen, weil dies am leichtesten geht, solange die Masse noch ihre natürliche Erdfeuchtigkeit enthält.
Dicke Platten für Grabmonumente, Fußbodenbelege, Tröge, Tischplatten u. dgl. werden durch Sägen, Behauen, Schaben in die verlangte Form gebracht, die dünnern Platten zu Dachbedeckung und Schreibtafeln durch Spalten mit stählernen Meiseln hergestellt. Die Form der Platten wird bei gewöhnlichem Dachschiefer durch Schlagen auf einen Amboß mit scharfen Kanten, bei feinerer Ware durch Schneiden auf einer Stockscheere gegeben. Dies gilt namentlich von dem sog. Schablonenschiefer, welcher nicht bloß quadratisch und lang viereckig, sondern auch 5–, 6–, 8 eckig und in andern Formen hergestellt wird, nachdem diese mit Hilfe blecherner Schablonen erst auf den Platten vorgerissen wurden. Dem Tafelschiefer wird seine gehörige Glätte durch Schaben und Schleifen gegeben, worauf er meistens eingerahmt in den Handel gebracht wird.
Nächst Lehesten ist die Umgegend von Gräfenthal in Thüringen reich an gutem Schiefer. Hier findet sich nebst gutem Material zu Schiefertafeln auch der Griffelschiefer, eine besondere Varietät, welche nicht in Platten, sondern gleichsam holzartig spaltet, sodaß ein Block, der an richtiger Stelle einen Schlag erhält, sogleich in eine Menge Stengel auseinanderfällt, die durch Schaben noch etwas abgeglichen werden und viel weiter als die Schieferplatten, z. B. nach Frankreich, gehen, da der Griffelschiefer ein seltenes Vorkommnis ist. Thüringer S. kommen auch noch aus andern, hier nicht weiter benannten Lokalitäten.
Die Dachschieferbrüche bei Goslar am Harz sind nicht minder alt und großartig und ergeben ein ganz vorzügliches Dachdeckungsmaterial, ausgezeichnet durch Festigkeit und große Dünnspaltigkeit. Von gleicher Güte wie die Thüringer und Harzprodukte sind die rheinischen S., von Kaub, St. Goarshausen, Wissenbach u. a. O. Auch an der Mosel, Lahr und Dill, an der Agger, Ruhr und Lenne wird S. gebrochen. Die Gewinnung in jenen westlichen Gegenden geschieht größtenteils durch unterirdischen Bergbau und sind die oft aus dem fernsten Altertum herrührenden Gruben ihrem Alter entsprechend von beträchtlicher Ausdehnung. Sachsen hat Schieferbrüche bei Lößnitz im Erzgebirge, sie liefern ebenfalls ein gutes Material. –
Außerordentlich reich an gutem S. sind die britischen Inseln. Die bedeutendsten Brüche finden sich in Wales an der Westküste, sowie in Schottland. Einzelne kleine Hebrideninseln bestehen ganz aus S. In Irland ist die Insel Valencia großenteils ein Schieferblock. Die Engländer haben den Vorteil, daß viele ihrer Brüche an der See liegen und daher die Produkte in wohlfeilster Weise verfrachtet werden können, die daher auch in verschiedensten Formen von Dachschiefer und großen Platten in alle Welt gehen.
Ein andrer günstiger Umstand bei den Brüchen der Engländer ist der, daß die Schichten oft ungestört durch unterirdische Vorgänge liegen, sodaß sich also Platten von ungewöhnlichen Größen herausarbeiten lassen. Es sind auf Ausstellungen Platten von 9 m Länge und Breite bei nur 1½ cm Dicke zur Anschauung gekommen. Etwas ähnliches scheinen bei uns nur die Brüche von Kirchberg bei Gräfenthal zu leisten, von welchen Platten von 4½–6 m Länge und 1½–3 m Breite bei nur 7–9 cm Dicke ausgegangen sind. –
Frankreich produziert ebenfalls beträchtliche Mengen von S., am meisten in den Ardennen, ferner bei Angers, Grenoble etc. Es werden dort sehr viele, nach Farbe, Form und Größe unterschiedne Sorten erzeugt, unter anderm auch natürlich gekrümmte Platten zum Decken von Kuppeln u. dgl. Frankreich führt aber auch noch S. von Belgien ein, dessen wichtigste Brüche sich bei Namur, Lüttich etc. befinden. –
Schieferlager von mehr örtlicher Bedeutung und geringerer Qualität, zum Teil ¶
gar nicht im Betriebe, finden sich noch in manchen Gegenden, im Voigtlande, in Böhmen, Österreichisch-Schlesien, Mähren etc. Guter Dachschiefer muß vollständig ebenflächig, glatt und möglichst dünn sein, damit die Tafeln das Dach nicht zu sehr belasten; auf dem Querbruche muß der S. genügend dicht sein und darf keinen eingesprengten Schwefelkies enthalten, weil solcher S. leicht verwittert. – Zoll: Rohe oder bloß behauene Schiefersteine sind zollfrei. Dachschiefer, rohe Schieferplatten und roher Tafelschiefer gem. Tarif im Anh. Nr. 33 b. Gespaltene, gesägte oder sonst bearbeitete Schieferplatten, Schiefertafeln in Rahmen von Holz, Waren aus S. ohne Verbindung mit andern Materialien oder nur in Verbindung mit Holz oder Eisen ohne Politur und Lack Nr. 33 d 1; Schieferwaren in Verbindung mit andern, als den vorgenannten Materialien Nr. 33 d 2. (Vgl. auch Tarif Nr. 20.)
Ende Schiefer (2)
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 14. Band: Rüböl - Sodawasser, Seite 445; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/schiefer
14.368 Sch14.445 Schieferformation14.445 Schiefergrün14.445 Schieferkohle14.445 Schieferletten14.445 Schiefermergel14.445 Schieferöl14.446 Schieferpapier14.446 Schieferschwarz14.446 Schieferspat14.446 Schieferstifte14.446 Schiefertafeln14.446 Schieferthon14.446 Schieferung14.446 Schieferwei14.446 Schieferzähne18.836 Schief18.836 Schiefer, kristallinische21.491 Schiefer21.493 Schieferöl21.493 Schieferschwarz64.422 Schi64.428 Schieferalpen64.428 Schieferdach64.428 Schieferdecker64.428 Schiefergrün64.428 Schiefer Hals64.428 Schieferkohle64.428 Schieferletten64.428 Schieferöl64.428 Schieferpapier64.428 Schieferstift64.428 Schiefertafeln64.428 Schieferung64.428 SchieferweiSie sind hier: Lexikon '88 > Meyers > Band 14 > Seite 14.445 > Schiefer